Inside-Out

Fahrkartenkontrolle



Auf Reisen und dazwischen.

Wenn ich reise, wird es spannend. Die Fahrkarten ziehe ich stets am Zauberautomaten, der sagt mir dann, wo es hingehen soll. Manchmal macht er sich einen Spaß mit mir und druckt das Ziel nicht auf die Fahrkarte. Ich steige trotzdem ein. Auch wenn ich einmal herren- oder damenlose Tickets finde, dessen Ziel mir so gar nichts sagt, dann wage ich die Reise trotzdem.

Insgeheim wünsche ich mir, jede Reise ginge nach Las Vegas. Ich mag diese verrückte Welt in der man selbst als Oberirre niemals auffallen würde. Ich träume davon, dort bleiben zu können. Ich würde einfach zum Stadtbild dazugehören, untergehen in der Masse und der Ignoranz. Ich könnte dort hübsch Leben, das Klima ist herrlich. Oder ich könnte auch etwas ganz Großes werden. Ich schnuppere gerne diesen Duft der unzähligen Möglichkeiten. Aber er vernebelt auch meine Sinne und deshalb reise ich dann wieder ab. Ich kann ja jederzeit wieder hinfahren.

Doch nicht selten geht die Reise einfach nur nach Hinterpfupfikon. Nicht dass Hinterpfupfikon kein schöner Ort wäre. Auf Dauer wird es mir dort dann aber doch zu öde. Diese Stadt hat nicht viel zu bieten oder versteckt sich zu gut vor mir. Dann frage ich mich schon, warum ich überhaupt reise.

Doch bevor ich auf den falschen Gedanken komme, der unter Umständen der richtige sein könnte, steige ich einfach in den nächsten Zug und fahre los und lasse nur die Schienen unter mir rattern.

Zwischen meinen Reisen suche ich Schätze. Ich finde meist nur Kleinigkeiten mit denen ich nichts anfangen oder deren Wert ich nicht einschätzen kann. Ich vermute, dass ich nicht tief genug grabe oder einfach an den falschen Stellen. Ich müsste mal jemanden fragen, der sich auskennt. Kürzlich, da war ich so sicher etwas Großes zu finden, da grub ich tief und tiefer. Am Ende stand ich in dreckigem Abwasser, weil ich so einen dämlichen Kanal mit meiner Hacke erwischt hatte. Es dauerte Tage bis ich den Geruch aus der Nase bekam. In dieser Zeit konnte ich dann auch nicht reisen, da ich mir nicht sicher war, wieviel von dem Gestank sich in meine eigenen Poren gefressen hatte und keinesfalls wollte ich andere Reisende damit belästigen.

Ich konnte dann aber doch nicht anders und tja, was soll ich sagen. Nachdem der Schaffner meine Karte kontrolliert und mich darauf hingewiesen hatte, dass mein Duft, nun ja, gewöhnungsbedürftig sei, klärte er mich auf, dass ich eine wahrhaft umständliche Route gewählt habe, um mein Ziel zu erreichen. Ich starrte auf die Fahrkarte und war sehr erstaunt, woher der Kontrolleur wissen konnte, wohin ich reisen wollte. Es war doch eine der Karten aus dem Zauberautomaten und der hatte seinen lustigen Tag gehabt und das Ziel nicht drauf gedruckt. Verwundert blickte ich ihm nach und wurde nachdenklich. Spontan beschloss ich das Reisen für eine Weile einzustellen und stieg am nächsten Bahnhof aus. Ich wartete noch einen Moment am Bahnsteig, bis der Schaffner sein Procedere beendet hatte. Ich konnte nicht aufhören, ihn anzustarren. Bevor er als Letzter in den Zug zurückstieg, drehte er sich noch einmal zu mir um und rief mir zwinkernd zu: „Vergiss den Zauberautomaten! Der jagt dich durch die ganze Welt! Willst du ständig nur auf der Durchreise sein?“ Ich schüttelte perplex den Kopf und er fügte lachend hinzu: „Wir sehen uns!“



 

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