♥STINGS

Komm doch mal rüber



Komm doch mal rüber???

Innenstadt. Neues In-Café. Ich bin sowas von nicht „In“, aber ich muss da hin. Wegen dir.

Ich frage mich, ob man mir das ansieht. Dass ich nicht „In“ bin und woran man das festmachen könnte. Arrogant schauen, das kann ich. Also setze ich dem Ganzen die Krone auf und benutze diesen Gesichtsausdruck um mein „Out“ sein zu überspielen. In dem Moment, als ich mich so unnahbar und cool wie möglich irgendwo am Rande der feinen In-Gesellschaft niedergelassen habe, höre ich das dumpfe Piepen in meiner Manteltasche. Jawohl, es piept. Es zwitschert nicht, bellt nicht wie ein Hund und maunzt nicht wie eine Katze. Mein mobiles Telefoniergerät piepst noch, wie es sich gehört. Und ich höre genau den Unterton und die widerlichen Zwischentöne, zwischen den beiden Pieptönen. Du kommst nicht. Irgendeine fade Ausrede wird dir eingefallen sein. Ohne deine Nachricht zu lesen, bestelle ich statt eines Cappuccinos spontan etwas ganz anderes. „Ein Bier und ein Korn“, höre ich mich der natürlich schwerstens tätowierten und gepiercten Bedienung sagen. Sie ist hübsch und ich würde sie gerne küssen.

„Ach komm geh weg und bleib dort, wo der Pfeffer wächst!“, schreibe ich dir zurück. Und: „Der Sex mit dir war grässlich!“ Wir hatten noch nie Sex. Ich grinse, als ich deine Antwort lese: „Du bist verrückt.“ Ich weiß, dass du jetzt geil bist und es bereust, mich versetzt zu haben. Gut so.

Ich schaue mich so gleichgültig wie möglich in dem Laden um. Lauter schöne Menschen. Ich passe nicht hierher. Ich will weg. Alle sind so geschäftig in Gespräche vertieft. Nur ein Kerl sitzt auch alleine herum und scheint auf jemanden zu warten. Wahrscheinlich kommt gleich eine Mörderbraut herein und fällt über ihn her. Er tippt natürlich derweil auf seinem Handy herum und scheint sich über irgendetwas zu amüsieren. Ich beobachte ihn eine Weile, weil – oh – mein – Gott – er schaut hoch und direkt in meine Augen. Sie mustern mich, aber sowas von abschätzig und  – oh – mein – Gott – sieht er heiß aus… tssszzz. Es ist aus. Aus und vorbei. Denn wenn ich das böse G-Wort denke, ist das ein Zeichen dafür, dass ich dabei bin die Kontrolle zu verlieren. Verdammt.

„Komm doch mal rüber“, sagt er in einem freundlichen Ton und macht dazu eine auffordernde Kopfbewegung. Komm doch mal rüüüber??? Ich kneife mich heimlich ins Bein, weil ich glaube mich verhört zu haben. Dann stehe ich auf und dackel auf ihn zu, bin ja ein braves Hündchen. Innerlich hechelnd, äußerlich selbstverständlich brutalst desinteressiert setze ich mich an seinen Tisch. Er erinnert mich an dich, obwohl ich dich noch nie gesehen habe. Diese Erinnerung ist nur ein Wunsch von mir, denn ich befürchte, dass du hässlich wie die Nacht bist.

„Na, versetzt worden?“, fragt der Kerl mich. Ha! Von wegen! Spöttisch ziehe ich eine Augenbraue hoch, jawohl nur eine, und antworte von oben herab: „Bestimmt nicht. Superwoman wird niemals versetzt!“ Er lacht und ich lasse mich davon anstecken. Ich höre dieses Knirschen brechenden Eises und den Knall deiner Verpuffung. Sorry, ich habe dich vergessen.

Der Kerl ist wunderbar und bei näherer Betrachtung gar nicht so übel. Okay, er hat mich dann später übel zugerichtet, wie mein Spiegelbild mir nun gerade bestätigt. Der Spiegel. In einem Badezimmer. In seiner Wohnung. „Wie kannst du dich nur mit irgendeinem Typen treffen, den du nuuur aus dem Internet kennst?“, höre ich die Worte meiner Freundin, die mir das Treffen mit dir unbedingt ausreden wollte. Nun, dann habe ich ja doch auf sie gehört.

Hui, warum macht so ein bisschen Sex mich immer so durcheinander auf dem Kopf. Und dann diese roten Flecken überall. So Schreiberfuzzis nennen das ja gerne „hektische Flecken“. Aber hektisch war es auf gar keinen Fall. Gut, beim ersten Mal schon, und ich glaube mein Slip hat das nicht überlebt. Aber später dann war es auf jeden Fall sehr entspannt – oh – mein – … Nein.

Es ist Zeit meinen Abgang vorzubereiten. Während ich das Wasser dieser unbeschreiblich genialen Regenwalddusche über meine Haut perlen lassen, mich einseife und ehrlich gesagt dabei wieder ein bisschen scharf werde, gehe ich in Gedanken die Möglichkeiten und alle Kinofilme mit solchen Szenen durch. Ich kann mich noch nicht für eine entscheiden, stattdessen denke ich an dich und frage mich, wie der Abend mit dir wohl verlaufen wäre. In meiner Phantasie genau so, wie mit diesem Kerl und mir ist unbegreiflich, wie du dir das durch die Lappen hast gehen lassen können.

Nun, der Typ hat mir meinen Abgang versaut, denn er hat sich einfach vor mir verpisst. Aus seiner eigenen Wohnung. Gut, dass er nicht mitbekommt, wie empört ich davon rausche. Adieu, du Traum.

Wieder zu Hause fahre ich erwartungsvoll den Rechner hoch. Ich bin gespannt, was du mir zu sagen hast. Deine nächtliche SMS, die ich erst heute Morgen las – ja Sorry, ich war beschäftigt mich ausgiebig einem anderen hinzugeben – war durchaus interessant und ich rechne damit, dass du intensivst zu Kreuze kriechen wirst. Ein Date in der Minute abzusagen, in der das Date starten sollte, ist schon der Hammer und damit hast du es gründlich bei mir verkackt. Ich nehme mir fest vor, dich mindestens einen Tag lang schmoren zu lassen. Naja, wenigstens einen halben. Oder zwei bis drei Stunden, mal sehen, wie ich mich ablenken kann. Du weißt ohnehin, dass ich dir und deinen Worten rettungslos verfallen bin und ach, wir beide wissen, ein bisschen lülü, ein bisschen lala und ich bin wieder ganz dein. Die geile Nacht, die ich gerade mit diesem Anderen verbracht habe, war vor allem deshalb so geil, weil ich mir vorstellte, er sei du. Du bist online. Und ja, da ist eine Nachricht von dir. Ich öffne sie nicht, lasse dich zappeln, jawohl!

Drei Minuten müssen langen… Ich falle vom Stuhl, rappel mich auf, verlasse fluchtartig die Wohnung, springe in mein Auto und fahre los. Den ganzen Weg über muss ich kichern und habe sicherlich ein grenzdebiles Grinsen im Gesicht. Deine Nachricht hat mir den Rest gegeben. Aber ich liebe sie!

„Ich war Brötchen holen. Komm zurück, Kaffee läuft.“



 

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