Bloody/Puzzlement

Kuschelweich

Unsere Decke war unser liebster Platz gewesen, unsere Zuflucht, Heimat, unser Kokon. Gemeinsam darunter wurden wir lebendig. Deine Haut, so wunderbar zart und weich. Meine dagegen rau und grob und dennoch, oder vielleicht genau deswegen, fügten wir uns zusammen, als sei es vorherbestimmt. Wir rieben uns auf und seiften uns mit unseren Säften ein. Tauchten tief in unsere Poren ein, stiegen in Abgründe, die unter unserer Decke mal harmlose, mal sündige Wege zur Erfüllung waren. Abgeschottet und eingehüllt in unsere Decke ließen wir uns gehen, wir fielen, wir flogen, wir rannten, wir starben, wir wurden wiedergeboren, wir erneuerten uns. Wie hielten die Zeit an und vielleicht sogar die ganze Welt. Wir wurden Samt und Seide. Kuschelweich.

Dieses andere Gefühl, welches sich hinterrücks anschlich, ignorierten wir solange es ging. Wir verjagten es oder wenn wir es erwischten, schlugen wir es tot. Doch immer wieder stand es auf und fand ein Schlupfloch in unsere heile Welt. Grob drängte es sich zwischen uns, nur um sich genau dort zu zersetzen. Zurück blieb Abgestumpftheit und die Lust, einander wirklich weh zu tun. Die Decke wurde zum Gefängnis und wir zu Inhaftierten unseres einstigen Glücks. Nichts mehr war zart, nichts mehr war weich und Erfüllung wurde zur Erinnerung an alte Zeiten.

Ja, alt sind wir geworden und wir suppen nur noch umeinander herum, wie Eiter in einer entzündeten Wunde. Wir verbeißen uns ineinander wie räudige Hunde und kämpfen um die letzten Fetzen unserer Decke, die längst spröde und hart geworden ist und zu nichts mehr taugt. Wir wollten nicht, dass es so endet. Doch deine Haut, inzwischen fahl und runzlig, verfängt sich in meinen knochigen Händen und mir wird eiskalt, wenn ich dich nur ansehe.

Und dich zugleich dabei so sehr vermisse. Wir fehlen uns und hadern um das verloren gegangene Pulsieren unserer Lebenssäfte, die unsere Herzen verbunden hatten. Wir erinnern uns an ihr kräftig leuchtendes Rot und die Wärme, die sie stets mit sich gebracht hatten. Dein kraftspendender Saft war ganz besonders weich gewesen, so kuschelweich, wie die Decke, die uns einst behütete.

Ich erlöse uns während du schläfst. Dein Blut, so wunderbar duftend und herrlich weich. Ich bette unsere Körper darin und lege uns zur Ruhe. Abgeschottet und eingehüllt in unsere neue Decke lasse ich uns gehen, lasse uns fallen, lasse uns abstürzen und halte uns an. Niemand wird sterben. Niemand wird wiedergeboren. Ich erneuere die Zeit und vielleicht sogar die ganze Welt. Wir werden wieder Samt und Seide. Kuschelweich.

Advertisements

°Kommentar °Kritik °Anregung... Very Welcome ♥

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s