♥STINGS/KindOfSoulMates

Seelenfehlen I

Gedankenversunken streiche ich über meine Haut. Oberflächlich ist sie weich und zart. Aber ich spüre sehr genau, dass da noch mehr ist. Verborgene Male, aus guten Gründen unter Verschluss gehalten und ein unsichtbar Knopf, den nur die Seele drückt, die weiß, wo er zu finden ist.


Es ist ein sonniger Tag und doch verweile ich im Untergrund. Ich zog mich zurück, weil ein Richtiger, das falsche Wort an mich richtete. Oder keines. Vielleicht sagte auch der Falsche das richtige Wort zu mir und ich wollte es nicht hören. Ich will nur noch, dass sie alle schweigen und wünsche mir, dass sie endlich etwas sagen würden. Ich verstecke mich vor ihnen, während ich Spuren lege, um von ihnen gefunden zu werden. Sie sind so laut, dass ich sie nicht mehr hören kann und wenn sie mich ansehen, wende ich mich ab. Die Grenze zwischen Gut und Böse, der Unterschied zwischen Ja und Nein, Innen und Außen, Oben und Unten, zwischen Allem und Nichts, mir selbst und den Anderen, verliert sich in einem wilden Strudel. Ich möchte darin untergehen, aber ich kann das Schwimmen nicht unterdrücken.

Meine Nerven liegen blank und fühlen sich an wie ein Reibeisen und ich sinniere, ob es nicht besser wäre, sie zu verlieren. So wund und rau wie sie daliegen, werden sie mich wahrscheinlich in den Wahnsinn treiben.

So wie meine Gedanken es tun, die der Anker meines Geistes sind. So wie meine Phantasie, an welche ich mich fest klammere, die mich hält und in diesen anderen, diesen speziellen betörenden Wahnsinn treibt. Sie alleine macht meine Welt erträglich und das Leben wird aushaltbar.

Meine Phantasie ist eine andere Seele. Nicht immer hat sie ein Gesicht, doch stets mindestens einen Gedanken, der ihr einen Mund schenkt. Lippen, die aus Gedanken Worte formen. Lippen, mit denen meine kommunizieren möchten. Ein unwiderstehlicher Drang überkommt mich und füllt mich mit Unruhe auf. Wie von selbst verschließe ich mich und versinke in den bezaubernden Augen meiner Phantasie, während mein Blick auf den Lippen dieser wunderschönen Seele verweilt, die ich so dringend küssen möchte. Dazu kommt es nur selten, weil ihre eigene Realität sie daran hindert und ich sie nach, mal mehr oder wenigen, vielen Tagen und Nächten zu Grabe tragen muss.

Steht keine neue Phantasie bereit, kein gleichgesinnter Geist, der meinem begegnet, beginnen bisweilen auch an hellen Tagen dunkle Zeiten, in denen sich meine Nervenenden aufstellen und jede Berührung, die meiner Seele nicht zuteil wird, dumpfe Schmerzen auslöst.


Dann fühle ich mich wie der Reserveknopf in einem Regenmantel. Ich bin immer da. Ich darf und soll sogar dort bleiben, wo ich bin. An der Seitennaht im Innenfutter ruhend, sicher verwahrt. Wie die verborgenen Male unter meiner Haut. Aus guten Gründen unter Verschluss gehalten und wie der unsichtbare Knopf, den nur die Seele drückt, die weiß, wo er zu finden ist.


 

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4 Kommentare zu “Seelenfehlen I

  1. Ich raubte mir etwas von meiner z. Zt. sehr knapp bemessenen Zeit und wollte sie sicher nicht verschwenden. So schaute ich hier vorbei und hoffte… Nein, ich wusste es und fand wie immer Feinsinniges, was ich gerne lese.

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