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Zauberelefant

„Wie lächerlich und weltfremd ist der, der sich über irgendetwas wundert, das im Leben vorkommt.”

[Mark Aurel]


Als Kind war ich ein kleines Dickerchen, Hänseleien inklusive. Das hat sich dann verwachsen, als ich etwa 13, 14 Jahre war und innerhalb eines Jahres regelrecht in die Höhe schoss und fast meine heutige Größe von 1,93m erreichte. Heute bin ich was man gemeinhin als „Langer Lulatsch“ bezeichnet: groß und dürr. Auch etwas sehnig und sicher nicht unattraktiv, zumindest bekomme ich regelmäßig positives Feedback zu meinem Äußeren. Ich bemerke, wie mir beim Einkaufen die Frauen hinterher schauen. Meines Erachtens ist das jedoch ohnehin Geschmackssache und ich bilde mir nichts darauf ein. Ich bin glücklich vergeben, also… who cares?

Frauenmäßig stand ich früher ausschließlich auf Modeltypen, richtig dünn und groß sollten sie sein. Absolut reine Haut, grazil und hohlwangig. Solche Frauen hatten in der Regel auch nur ganz kleine Brüstchen, von mir liebevoll „Mäusefäustchen“ genannt. Natürlich gab es auch die ein oder andere mit größeren Möpsen, meistens waren die aber dann nicht echt. Irgendwann erzählte mir ein Kumpel von seinem Faible für sogenannte „Rubensfrauen“. Für mich damals unvorstellbar.

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Zu der Zeit gingen wir regelmäßig „Treppen steigen“ und anschließend noch schön saufen in der Altstadt. Ich kann mich nicht mehr an den Inhalt der Wette erinnern, jedenfalls verlor ich und mein Kumpel durfte dafür die nächste Frau im Puff für mich auswählen. Natürlich wählte er eine nach seinem Geschmack: eine dicke, sehr runde Dame etwas reiferen Alters. Sehr nah an meiner Schmerzgrenze. Aber, ein Mann ein Wort und ich zog es durch. Die beste Entscheidung meines Lebens und für mich rückblickend: die Nacht der Erkenntnis. Mit dieser wunderbaren Matrone erlebt ich den bis dahin besten Bezahlsex meines Lebens. Er stand wie eine Eins und die Erregung, welche mich mit ihr förmlich überrollte, war mit nichts zuvor vergleichbar. Ich hatte meine Leidenschaft für Pummelchen entdeckt und fing an, diese näher zu erforschen.

Heute weiß ich, dass ich zum Beispiel gar nicht auf Frauen stehe, die im Großen und Ganzen schlank sind, aber einen Bauch haben. Viele Frauen haben das oder entwickeln umso älter sie werden einen sogenannten Frauenbauch. Nein, das geht gar nicht. Ich nenne das insgeheim „eine Figur, wie ein vollgeschissener Damenstrumpf“. Sorry, turnt mich tierisch ab. Ich mag es lieber gleichmäßig rund. Alles soll schön dick sein, Möpse, Arsch und ach, nicht zu vergessen, ein schönes rundes Mondgesicht, gerne mit etwas roten Bäckchen. Außerdem liebe ich diese putzigen Patschehändchen.

Ich begann meine neu entdeckte Neigung auszuleben und fixierte mich nur noch auf die Dickerchen. Doch schon bald langte das nicht mehr und ich wünschte mir immer fettere Frauen, es gab keine Gewichtsgrenzen mehr für mich. Und es kam plötzlich ein weiterer Faktor hinzu: der Geruch. Am Anfang legte ich sehr viel Wert darauf, dass die Pummelchen auch gepflegt waren. Irgendwie hatte ich das Vorurteil im Kopf „dicke Menschen riechen“ um nicht das Wort „stinken“ zu benutzen. Doch einmal ergab es sich, dass meine damalige Freundin, 1,58m groß, 93 Kilo schwer, von einer Reise zurückkam und wegen der langen Reisezeit seit etwa 36 Stunden ungeduscht war. Es hatte sie sehr angestrengt und sie hatte dementsprechend viel geschwitzt. Als sie zur Tür hereinkam, fiel ich sofort über sie her. Sie roch, wie man in so einer Situation eben riecht, damit hatte ich überhaupt kein Problem. Der Duft steigerte sich dann aber natürlich, als ich mich in ihre herrlichen Fleischfalten wühlte. Besonders unter ihren schweren Brüsten hatte sich ein himmlichsüßer Schweißgeruch niedergelegt. Ja, süßlich und vielleicht mit einer gewissen käsigen Note, es lässt sich sehr schwer beschreiben. Meine sexuelle Neigung erlebte die zweite Steigerung. Fleischig, massig und ungewaschen! Genau so wollte ich es und nie mehr anders.

Daran ist die ansonsten wirklich gute Beziehung letztendlich gescheitert, denn sie fühlte sich überhaupt nicht wohl damit. Zunächst gab sie sich zwar noch Mühe und wollte mich glücklich machen, aber ihr Bedürfnis nach Reinlichkeit und Wohlgeruch ihres eigenen Körpers war eben größer. Als ich sie bat, sich eine Woche lang nicht zu waschen, lediglich Zähne putzen sollte sie, hat sie Schluss gemacht. Aber vier Tage, fast fünf, hatte sie es probiert, wofür ich ihr ewig dankbar sein werde. Sex wollte sie dann zwar nicht mehr haben, aber sie gestattete mir, sie ein letztes Mal ausführlich zu beschnuppern, während ich mir dabei einen runter holte. Wir haben heute noch freundschaftlichen Kontakt.

Inzwischen sind viele Jahre ins Land gegangen. Seit mehr als drei Jahren bin ich nun mit Luna zusammen und wir führen eine sehr ungesunde, aber am Ende des Tages doch sehr erfüllende Beziehung. Ja, ich gebe das zu, hier so anonym. Mir ist das schon irgendwie bewusst, aber andererseits sind wir beide doch sehr glücklich, wir ergänzen uns ideal. Im realen Leben „leide“ ich offiziell natürlich unter ihrer fürchterlichen Fresssucht und „klage“: „Sie kommt einfach nicht vom Essen los“. Tatsächlich liebt sie Essen. Und dafür liebe ich sie.

Seit wir zusammen sind, hat sie pro Jahr etwa 20, vielleicht sogar etwas mehr Kilo zugelegt. Und sie war vorher schon eine tolle, kleine Tonne gewesen. Obwohl sie mit knapp 1,70m ja gar nicht so klein ist, aber heute ist sie ein richtiges Monster. Ich liebe sie abgöttisch, sie ist die Frau meiner Träume geworden und ich würde alles für sie tun. Ich TUE alles für sie! Sie ist mein Zauberelefant.

Doch, wir führen ein herrliches Leben! Durch meine Selbstständigkeit und dass ich dadurch zu Hause arbeite, kann ich mich individuell um sie kümmern und jederzeit für sie kochen oder Snacks zubereiten. In unserer Küche ist eigentlich immer irgendetwas am Brutzeln oder Backen. Ich verdiene genug für uns beide, so dass sie nicht arbeiten muss. Inzwischen könnte sie das aufgrund ihres Gewichts ohnehin nicht mehr. Für den Haushalt haben wir eine ganz patente Mexikanerin gefunden, die auch mit uns lebt. Es ist schon wichtig, dass Luna zusätzlich eine weibliche Ansprechperson hat, besonders seit sie ohne fremde Hilfe nicht mehr raus kann. Inzwischen kann sie jedoch auch mit Hilfe nicht mehr raus, sie ist einfach zu fett und ich habe ehrlich gesagt auch Angst, dass ihre Knochen zerbersten würden.

Ich habe ihr Lager nun im Wintergarten aufgeschlagen, so dass sie bei schönem Wetter und geöffneten Fenstern und Türen wenigstens ein bisschen das Gefühl hat, im Freien zu sein, frische Luft ist ja sehr wichtig. Der Umzug war ein kleines Drama, da ich außer Juanita niemanden um Hilfe bitten konnte. Wir zogen und zerrten sie auf mehreren Umzugsdecken und Pappen durchs ganze Haus, drei Stunden hat es gedauert, ihre Essenspausen nicht eingerechnet. Aber wir haben es geschafft und zur Belohnung grillte ich am Abend bestimmt 20 Scheiben Bauchspeck für sie, dazu gab es sehr leckere Folienkartoffeln mit Quark. Meine Belohnung war ihr durch die Anstrengung noch schlimmer gewordener Körperduft. Der erste Sex im Wintergarten war eine Offenbarung.

Juanita redet mir oft ins Gewissen, dass ich Luna mästen würde wie eine Weihnachtsgans und sie sicher bald sterben würde. Ich glaube das nicht, denn sie ist eine glückliche Frau. Glückliche Menschen sterben nicht so schnell. Ich kontrolliere regelmäßig ihre Vitalwerte und nehme ihr auch Blut ab, was ein befreundeter Arzt für mich zur Laboruntersuchung einschickt. Die Thrombosegefahr hatte ich nicht bedacht, aber das haben wir inzwischen auch im Griff. Es ist alles im grünen Bereich.

Mit meiner Vorliebe für ihren Körperduft kam sie übrigens auch nicht von Anfang an klar. Je runder und unbeweglicher sie jedoch wurde, umso abhängiger wurde sie ja von mir. Ich habe sie ganz langsam herangeführt und die Abstände zwischen den Tagen, an denen ich sie wusch, immer größer werden lassen. Einmal erwischte ich Juanita dabei, wie sie Luna heimlich und außer der Reihe wusch. Wir haben die halbe Nacht lang darüber diskutiert, am Ende haben wir dann für alle Beteiligten den perfekten Rhythmus gefunden. Tatsächlich ist jetzt der späte Samstagnachmittag „unser Waschtag“, wobei Luna dann natürlich im Bett gewaschen werden muss. Wenn ich es alleine machen muss, weil Juanita sich frei genommen hat, dann dauert es schon bis zu sechs, sieben Stunden. Aber ich mache das sehr gerne, da ich auf dem Höhepunkt ihrer Stinkerei, immer nochmal viele tiefe Nasen ziehen kann. Neben dem Sex mein Highlight der Woche. Seit Luna ihre Menstruation nicht mehr bekommt, geht es ihr auch richtig gut damit.

Hygiene ist uns generell sehr wichtig, viele Menschen denken sicher automatisch bei diesen Erzählungen, dass das alles eine körperlich sehr ungesunde Angelegenheit ist. Mir geht es ja nicht um das schmutzig sein, sondern eben nur um den unverfälschten Körperduft einer lebenden und liebenden elefantösen Frau. Es stimmt, man muss schon sehr kreativ sein und immer auf vieles achten, besonders zwischen den Fleischwülsten, dass sich da nichts ansetzt oder einnistet. Man muss sehr, sehr sorgfältig reinigen und durchaus auch einiges desinfizieren. Ich versuche es in Grenzen und sie trotzdem, im herkömmlichen Sinne, sauber zu halten, ohne ihren Geruch dadurch zu sehr zu entfernen. Gut, zwischen den Beinen und mit ihrer Mumu, das ist schon grenzwertig, selbst für mich. Aber wenn man so leben will und wenn man liebt, dann macht man das alles wie selbstverständlich und ganz automatisch, auch wenn es viel, viel Arbeit ist.

Ich würde Luna sehr gerne heiraten und ich könnte auch organisieren, dass ein Standesbeamter ins Haus kommt. Doch Luna will das nicht, sie schämt sich und sagt, wir wüssten doch beide, dass es nun für immer ist. Juanita hat uns aber kürzlich eine Freude gemacht und uns überraschenderweise nach irgendeinem mexikanischen Brauch getraut. Ich weiß, dass es das gar nicht gibt und sie sich das nur ausgedacht hat, weil sie Mitleid mit uns hat. Es war dennoch wunderschön.

Als nachträgliches Hochzeitsgeschenk habe ich Luna einen Schokoladenbrunnen gekauft, von dem vor allem aber Juanita gerne nascht. Die gute Seele. Ich finde ja, dass sie ein bisschen dürr ist, obwohl sie, seit sie bei uns lebt, ungefähr zwanzig Kilo zugenommen hat. Ich bin froh, dass sie nun ordentlich isst und sich ein Beispiel an Luna genommen hat. Sie war aber auch ein ausgemergeltes Spätzchen.


 [Mai 2012 / August 2014]

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11 Kommentare zu “Zauberelefant

        • Puuuh… :-) Also wenn das deine Sorge war, dann: NATÜRLICH ist es eine Story!!

          Alles was du hier findest, (ich danke dir übrigens fürs Folgen, freut mich sehr!) sind Geschichten. Manchmal auch Halbwahrheiten oder wie hier eine Art Kritik und ein Spiegel. Daher auch das einleitende Zitat: „Wie lächerlich und weltfremd ist der, der sich über irgendetwas wundert, das im Leben vorkommt.” Was nicht beleidigend gemeint ist, sondern im Zusammenhang mit dem Text wie ein „Schaut her, ja so etwas gibt es!“ Es sollte subtil absurd rüberkommen, aber dennoch Raum für Zweifel lassen, die die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass etwas wahres dran sein könnte. Aus dem Grund bedeutet mir deine spontane Reaktion und Äußerung sehr viel! Vielen Dank!!

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          • Oh man. Der schocker gesteen. Echt. Also ich zieh wirklich meinen Hut. Wenn diese Geschichte nicht realitätsnah ist, welche dann. Zumal ich natürlich nach erster Beruhigung am Abend los googelte um dir ein paar Paragraphen um die
            Ohren zu hauen^^
            Was bin ich froh deinen Blog gefunden zu haben. Wunderbar :)
            Beste Grüße, Mia

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    • Freut mich total, dass du das merkst :-) Deshalb schrieb ich dazu, dass der Text von 2012 ist, habe ihn nur ganz wenig überarbeitet, denn das war eben mein Stil und vor allem waren es meine Möglichkeiten in 2012. Ich würde heute auch einiges anders machen, jedoch ist es ja aus seiner Denk-/Sprech-Perspektive geschrieben, von daher habe ich mich damit arrangiert. Herzlichen Dank für dein Feedback <3

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