Puzzlement

Parasimulium

Ich bin müde.

Ich möchte schlafen.

Aber das Organ ganz oben ignoriert mein Begehren.

Ich will schlafen!

„Ich ‚will!‘ Das sagt man nicht!“, ermahnen sie mich.


Ich will.

Trotzdem.

Schlafen.

Vielleicht für immer.


Wie soll ich Frieden finden, während mein Geist durch die Nacht gejagt wird? Eine Frage, die keiner von ihnen jemals beantwortet.

„Bette deinen verhurten Leib zur Ruhe! Alles andere stellt sich ein.“

Ich lasse mich einstellen. Von ihnen.DT

Stechen?

„Nein! Es ist dir nicht gegeben.“

Beißen?

„Ja! Etwas anderes kannst du nicht.“

Saugen?

„Immer! Wir nennen es Trinken. Es wird dich nähren. Es dient der Arterhaltung, weißt du?“

Ich weiß es nicht.

„Es geht um das Überleben. Über Generationen. Über Jahrtausende.“

Mir geht es um das Vergessen. Oder wenigstens um das Ertragen, was nicht vergessen werden kann. Beides schenkt der Schlaf. Ein langer, tiefer Schlaf.

Ihr höhnisches Lachen dröhnt in meinen Ohren. Sie sind abartig und wollen, dass ich es ebenfalls bin. Ich bin es, weil ich es nicht besser weiß.


Mein Maul ist weit aufgerissen. Ich benutze mein Werkzeug. Mein Instinkt sagt mir, wie tief ich es in das Fleisch zu hauen habe. Mein Kiefer schließt sich und trennt, was sich einst euphorisch auf ewig zusammenschloss. Der Geschmack ist widerlich. Ich bin widerlich. Das Fleisch unschuldiger Seelen ist nun mein. Ich weigere mich zu schlucken.

„Niemand ist unschuldig. Und Seelen? Glaubst du wirklich noch an Seelen? Tu es! Es ist deine Bestimmung.“

Ich will selbst bestimmen. Mich. Und diesen Vorgang, den sie LEBEN nennen. Mir wird übel und eine hässliche Fratze ersetzt mein trauriges Gesicht.

„Hör auf gegen deine Art zu rebellieren! Friss gefälligst! Es gehört dazu! DU gehörst dazu!“

Resigniert lasse ich den bitteren Fleischbrei meine Kehle hinuntergleiten.


Wenn ich tief genug gegraben habe, soll ich hineinspucken. Jahrtausende alter Rotz wird die von ihnen Markierten töten, einen nach dem anderen. Mein verlogener Schleim existiert alleine um ihnen den Rest zu geben. Absichtlich nähre ich mich ausschließlich von den Schlechten. Es steht nirgendwo geschrieben, wen oder auf welche Weise ich infizieren soll. Ob ich sie beiße oder liebkose, sie merken den Unterschied ohnehin nicht. Nur ich weiß, was ich tue. Zärtlich streichele ich sie in ihren letzten Atemzug hinein. Das ist meine Art sie zu zerstören. Sie werden zunächst taub.

Dann tot.

Sein.

Endlich.

Nicht mehr sein.


Sie werden nicht mehr erfahren, wie sehr ich sie beneide.


Das Loch, das ich gerade grabe, ist schon dreimal so groß wie ich selbst. Ein Krater. Ich starre in das Wundwasser, das aus seinen Tiefen emporsteigt und mich am Leben halten soll. Ich stelle mir vor, wie ich einen fatalen Schritt nach vorne mache. Und fallen werde. Wie gerne würde ich dabei meine Augen schließen. Doch ich hatte niemals Lider.

„Du musst immer sehend sein. Um die Schatten frühzeitig zu erkennen! Sie könnten dich eines Tages töten. Bisher hattest du Glück!“

Glück? Ich sage, es ist nicht mehr als ein Fluchtinstinkt. Konditioniert um das eigene Leben zu bewahren. Ich verfluche dieses Glück!

Denke an die Bestimmung! Vergiss niemals deine Bestimmung!

Ich denke. An den Augenblick, als ich einmal absichtlich ausharrte. Noch hatte ich nicht zugebissen, nur ein bisschen gekratzt, als dunkle Wolken aufzogen. Der Schatten. Kurz bevor er mich zu zermalmen drohte, hielt er inne. Dieser schlechte Mensch muss ein Guter gewesen sein. Er sah viel mehr in mir als ein Tier. Sanft, fast zärtlich entließ er mich. Zurück ins Leben. Ich hasste ihn.

Träume, die wahr werden, können tödlich sein. Es war mir nicht vergönnt.

„Hör auf zu lamentieren, du dummes Ding. Erfreue dich an den Idioten! Und grab weiter!“

Ich grabe weiter.

Ich spinne weiter.

Gedanken.

Dieser eine Schritt nach vorne.


Wenn ich könnte würde ich mir Augen und Ohren zuhalten und den Saft einfach durch die restlichen Körperöffnungen in mich hinein fließen lassen. In der Hoffnung er würde mich innerlich zersetzen und in die Bestandteile auflösen, die ich nicht selbst gewählt hatte. Ich wurde, was sie bestimmten. Ich wollte das nicht sein.

„Aber du bist es.“

Ich nicke müde.

Sie haben recht.

Ein Schritt… ich lasse mich fallen.

Und finde plötzlich den Fehler in ihrem System, den sie mir wohlweislich vorenthalten haben. Ihr Lachen verstummt. Ich fliege.

Auf.

Und.

Davon.


 

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2 Kommentare zu “Parasimulium

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