Bloody

GRUND-LOS

So ein Tag, so wunderschön wie heute.

Der sollte schnell vergehen.

Es war der Tag, derjenige welche. Der Tag, nachdem es nur noch meine Morgen gab und jedes unserer Gestern eliminiert wurde. So geschah es. Meine Tränen stockten, dein Blut floss in Strömen. Es war ein Tag wie Heute, wunderschön, nach Frühling duftend und Sehnsucht nach dem Sommer weckend. Warm umspielte ein sachter Wind all die kecken Fußzehen, die sich so sehr freuten frei zu sein. Fröhliche Gesichter wurden heiß, wenn man sie nur lange genug in die lachende Sonne und den blauen Himmel reckte. Kalt war nur der Stahl in meinen Händen. Doch niemand bemerkte ihn. Sorgsam hielt ich ihn versteckt und lächelte milde und gütig bei jedem freundlichen Nicken, welches die Restweltmenschen mir entgegenbrachten. Ich lachte mir ins geballte Fäustchen, dass keiner von ihnen wahrnahm, wie heiß auch mir war. Längst war die Hölle ausgebrochen. Flammen loderten bei jedem Gedanken an dich erregt immer wieder auf. Mein glühender Saft konnte das Feuer nicht löschen und so nährten sich beide an sich selbst.

Du warst so wunderschön, so intelligent und weise. Deine Art zu denken und deine Weise zu leben inspirierte mich unendlich. Ich bekam nicht genug von deinem bezaubernden Wesen. An jenem Abend an dem du mich verließt, war sonnenklar, dass du dein Todesurteil unterschriebst. Wir beide wussten es. Es war der Grund, warum du gingst. Dein Grund.

Du wolltest nicht mehr sein, nicht ohne mich und nur mit dir. Du wolltest sterben. Unbedingt. Durch meine Hand. Nur diesen einen Gefallen sollte ich dir tun, nur einmal über dir sein, nur einmal in dir, nur einmal stärker, dich nur ein einziges Mal überwältigen. Du wolltest spüren, was ich schon so viele Jahre spürte. Am eigenen Leib erleben, was du niemals nachvollziehen konntest. Zuneigung. Besorgnis. Aufopferung. Alles völlig grundlos, nur weil es einfach da ist. Das Gefühl, für das es keine Worte gibt. Kein einziges. Hingabe, die keiner Erklärung bedarf und Demut, die sich durch sich selbst ergibt.

Niemals fandst du einen Menschen, der dir das Wasser reichen konnte. Dein Dilemma. Dein Leben. So unfassbar großartig, dass du es selbst nicht mehr ertragen konntest. Nur langsam nähertest du dich mir an. Tief bücken musstest du dich und schließlich zu mir auf den Boden kommen, auf Augenhöhe, damit du mich um Gnade bitten kannst. Deinen Hochmut hast du vorsorglich verbrannt, es sollte kein Zurück mehr geben. Ich genoss es. Für kurze Zeit. Denn keiner von uns beiden rechnete die Gleichung zu Ende.

Denn… hier unten bei mir, da wollte ich dich niemals haben. Es war der Blick nach oben, in deine stahlblauen Augen, der mich dich begehren ließ. Der ewige Kampf um deine Gunst, das war was mich ausharren ließ, was mich erregte und immer wieder begierig nach dir rufen ließ. Nun ist das letzte Feuer ausgebrochen. Es schwelt so sehr, weil ich weiß, dass es sogleich Vergangenheit ist.


Ein letztes Mal nehme ich dich in mir auf. Während ich alles Leid aus dir heraussauge, deine Wut, deinen Schmerz, die Einsamkeit, während ich dein Schluchzten höre und deine Tränen uns zu ertränken drohen, in diesem Moment verstehe ich die Tragik deines Lebens. Ich umschließe dich und schenke dir die Wärme, die du so sehr suchtest, fandst, aber niemals fühlen konntest. Ein letztes Mal verschlingst du mich, eroberst mich und zeigst mir meine Grenzen. Nur um sie zu öffnen, um dich zu offenbaren. Du machst dich ganz klein und lässt mich an dir wachsen, überträgst mir deine Kraft und Energie. Ich werde sie brauchen. Um weiterzugehen, um weiterzusuchen, um irgendetwas zu finden. Etwas was mich antreibt, so wie du es tatst. Ich verstehe und spüre die Grausamkeit, wie es ist zu stark um schwach zu sein.

Du gibst mir das vereinbarte Zeichen, es ist soweit. Ich lege dir den kalten Stahl in deine glühend heiße Hand und umschließe sie mit meiner. Du übergibst mir deine Macht und deine Augen funkeln mich an. Bewunderung. Demut. Dankbarkeit. Dafür, dass ich das Messer für dich führe, deine Hand leite, die dein Leid beenden wird. Dafür, dass ich keine einzige Träne dabei verliere. Mein Blick ist kalt und deine Augen glühen. Endlich fühlst du. Wie ich. Es ist spät. Doch du bist nun glücklich. Deine Hand zittert unter meiner, während wir gemeinsam das Messer tief und tiefer in dein Fleisch gleiten lassen. Ich sehe auf dich herab und empfinde Mitleid. Endlich fühle ich. Wie du. Stärke. Hochmut. Eine Prise Verachtung. Ich will das nicht. Ich will, dass es vorbei ist. Es fühlt sich nicht gut in mir an. Das ist der Grund, warum ich niemals stark sein möchte. Mein Grund. Ich will, dass dieser wunderschöne Tag zu Ende geht. Deine Arroganz fand ich schon immer zum Kotzen.


 

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5 Kommentare zu “GRUND-LOS

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