Outside-In

Obligat

Wusstest du, dass das Ende eines Tages nicht bedeutet, dass er aufhört zu sein? Und dass der Vogel nicht so früh dran ist, um den Wurm zu fangen, sondern er der Erste war, der der Nacht entkommen konnte?

Ich wusste das nicht. Ich habe schlichtweg geglaubt, was sie uns erzählten. Dann erfuhr ich, dass auch ein Rückzug irgendwohin fährt. Und wahrscheinlich exakt dort ankommt.

Wusstest du, dass das Ende eines Lebens nicht bedeutet, dass es aufhört zu sein? Und dass die Monster sich nicht unter deinem Bett verbergen, um dir aufzulauern wenn die Nacht anbricht, sondern um sich vor dir zu verstecken?

Ich wusste das. Ich habe nie geglaubt, was sie uns erzählten. Dann erfuhr ich, dass ein Rückzug auch nur auf Schienen fährt. Und dass sie wahrscheinlich logen, als sie sagten, Entgleisen sei nur optional.

Weißt du noch, dass wir sie nie fragten, ob das Ende einer Nacht bedeutet, dass ein neuer Tag anbricht? Und dass wir niemals von ihnen wissen wollten, ob der Tod unendlich ist? Wahrscheinlich weil wir ahnten, dass sie lügen würden.


>>> Lauschen!


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10 Kommentare zu “Obligat

  1. Eine ungefüllte Zeile ist wie ein Ruf.
    Halte inne und horche, was als Echo zurück kommt.

    Eine ungefüllte Zeile ist wie ein Leere, die sich selbst füllt.
    Halte inne und horche. Es knistert.
    .
    .
    .

    Eine ungefüllte Zeile ist wie ein neuer Weg.
    Manchmal ist es nur ein kleiner Schritt ins Leere.

    Ich glaube du verstehst, was ich meine. Lasse Raum für Gedanken. Jedoch nicht zu viel, nicht auffordernd, oder als noch zu ergänzende Zeile zurückgelassen wirkend.

    Du spielst sonst mit Einschüben. Manchmal mit Farben und Schrifttypen und wenn es ein Text zulässt mit nur drei aufeinanderfolgenden Punkten.

    Drei kleine Punkte. Die Zeit, die sich dahinter verbirgt, die findet jeder für sich
    selbst.

    (ernstmodus aus)

    Ich mag es als Leser, wenn du textlich Fragen in den Raum entlässt, deren Inhalt weiter trägt, als die geschriebene Antwort hergibt.

    Gefällt mir

      • Vierundzwanzig zähle ich. 24 ist nicht eine beliebige Zahl. Schon die Babylonier teilten einen Tag in 24 gleiche Abschnitte und fügten sie zu einem Ganzen zusammen. Wobei textlich die Punkte ja kein Ganzes ergeben. Schließlich befinden sie sich im Text und runden ihn nicht ab. Somit stehen sie in einer anderen Verbindung. 24 Bilder pro Sekunde braucht es, um eine Film in einer flüssigen Bildabfolge zu sehen. So gesehen fülle ich die Zeilen, jede für sich mit eigenen Gedanken, die ich mit dem von dir geschriebenen letzten Absatz abrunde. Ach herrje jetsam! Spiele nicht mit Worten, die nicht deine und auch nicht geschrieben sind.

        Gefällt 1 Person

        • Najaaa, dass Ausnahmen die Regel bestätigen ist klar, dennoch ist kurz halt eben… kurz. Literarisch gesehen gibt es jedoch sicher viele phantastische Beispiele, die bestätigen, dass kurz nicht schlecht sein muss:

          Ja, ich weiß, woher ich stamme,
          Ungesättigt gleich der Flamme
          Glühe und verzehr’ ich mich.
          Licht wird alles was ich fasse,
          Kohle alles, was ich lasse,
          Flamme bin ich sicherlich.

          [F. Nietzsche]

          Meine eigene Erwartungshaltung an meine Werke kommt ja erschwerend hinzu, ich bin da sicher nicht objektiv. Auch weil ich weiß, wie die Texte entstehen… Mir fällt auf, dass die heimlich oder schnell hingewichsten Texte – das hier ist einer davon – oft ziemlich gut ankommen. Seltsam.

          Gefällt 1 Person

          • Es ist natürlich ungleich schwerer, lange Texte zu konzipieren und umzusetzen.

            Ungeachtet dessen – du bedienst dich eines Beispiels von Nietzsche – können die kurzen, vielleicht heimlich gewichsten die gleiche Brillanz besitzen wie 1000-Seiter.

            Gefällt 1 Person

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