BLOODY

VER-STECKT

Mitgegangen. Mitgefangen.

Ich stehe an deinem Grab. Die Augen weit geöffnet, den Blick nach innen auf den Film unseres Lebens gerichtet. Ich lasse alle unsere Momente Revue passieren, alle Augenblicke bis zu dem, in welchem der Vorhang fiel. Unsere vergangenen Träume, die vor dieser Grube zu Unmöglichkeiten werden, erwachen in meinem Kopf zu neuem Leben und ich spüre uns plötzlich wieder.

Ich erinnere mich daran, wie wir uns fanden und ohne Umwege ineinander krochen. Wie wir uns gegenseitig erforschten, in uns verweilten, uns ausruhten und die Ruhe vor dem Sturm genossen, von dem wir wussten, dass er nicht lange auf sich warten lassen würde. Ein gewaltiges Donnerwetter brach über uns herein, erfüllte brachliegende Hoffnungen und weckte tausend bis dahin unbekannter Sehnsüchte. Unsere Wege wurden zu einem, wir gingen mit uns mit und verknüpften unsere Schicksale fest mit der vor uns liegenden Zukunft. Wir rannten förmlich zu dem point-of-no-return, nur um ganz sicher zu sein. Wir machten keine Gefangenen. Niemals. Als ob wir uns gegenseitig beweisen wollten, wie ernst wir es meinten. Denn das taten wir. Wir wurden zu Verschworenen. Gemeinsam schwollen wir an zu einer Macht, die ihresgleichen sucht.

Und ebenso glorreich gingen wir unter. Ich stehe hier an deiner letzten Ruhestätte und denke an den Tod, der viel zu früh kam, um uns zu scheiden. Ich warte auf die Tränen, doch es scheint, als wäre ich noch nicht bereit dazu. Meine Tränen kämen einer Anerkennung deines Todes gleich. Eine dürftige Erklärung, die ich mir selber gebe, doch sie hilft, die notwendige Starre aufrecht zu erhalten. Dinge müssen geregelt werden. Die Show muss doch weitergehen. „Was auch immer passiert, gehe stets mit erhobenem Kopf weiter!“, hast du mir immer gepredigt. Vielleicht habe ich das ein wenig missverstanden, aber dennoch half es mir, die letzten Tage zu ertragen, weiterzugehen, so ganz ohne unser Leben. „Bis dass der Tod uns scheidet…“, so hatten wir uns geschworen. Wir hatten es uns gesagt, weil man das eben so sagt. Versichert haben wir uns. Aber keiner erklärt einem, was danach kommt, was bleibt, wenn einer fortgehen muss. Und wie es dazu kommt. Und warum? Keiner erklärt einem das Warum.

Erstaunlich, als der Augenblick gekommen war, der Moment, in welchem die Frage nach dem Warum, zu stellen völlig legitim gewesen wäre, da blieb sie mir im Halse stecken. So wie du meintest, deinen verfluchten Schwanz anderweitig verstecken zu müssen. So wie das Messer, welches ich dir ins Herz rammte und einfach stecken ließ, bevor ich hoch erhobenen Hauptes die Bühne unseres Lebens verließ. Ich mache keine Gefangenen. Niemals.


 

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