♥STINGS

Nichts ändert sich

Wir waren wie Gefäße, bis zum Rand gefüllt mit schierer Energie. Wir gossen uns ineinander, leerten uns aus und füllten uns wieder auf. Immer wieder. Mal flossen wir rasant und turbulent wie Wildwasser, mal plätscherten wir gemächlich umeinander herum.

Unsere Worte waren Streicheleinheiten. Wir umgarnten uns und wickelten uns in Verheißungen. Kaum ein Tag verging ohne ein erregendes Gewitter. Wir prasselten wie warmer Platzregen auf uns hinab, nur um uns anschließend mit Sonnenstrahlen zu trocknen. Stets waren wir Wind oder wenigstens ein laues Lüftchen, das niemals die Existenz des Anderen vergessen ließ. Zufrieden seufzend drehten wir uns beglückt im Kreis und gestalteten aus jedem Ende einen neuen Anfang. Schwindelig und von Sinnen ließen wir uns freien Lauf, nicht ahnend, dass wir gegenseitig längst an langen Leinen liefen. Wir sahen und spürten sie nicht, bis zu dem Tag, an dem wir so wild tobten, dass sie sich miteinander verknoteten. Schlagartig waren wir uns nah. So nah, dass argloses Spielen kaum noch möglich war. So nah, dass Worte plötzlich feine Widerhaken bekamen und halbherzige Ausweichversuche das Band der Zuneigung fest verknüpfte.

Wir wurden wie langhalsige Vasen, die ins Wanken gerieten. Wir stießen aneinander, fielen um und rappelten uns wieder auf. Immer wieder. Mal schnellten wir pfeilschnell nach oben, mal blieben wir zunächst für einige mehr oder weniger lange Augenblicke hin und her kullernd liegen.

Es änderte nichts daran, dass wir uns mit Rissen überzogen.

Unsere Worte wurden Waffen. Wir verstrickten uns und wickelten uns in Drohgebärden. Kaum ein Tag verging ohne ein aufbrausendes Unwetter. Wir prasselten wie eisige Hagelkörner auf uns ein und ließen uns anschließend absichtlich im Regen stehen. Stets waren wir Sturm oder wenigstens ein frostiger Wind, der niemals die Existenz des Anderen vergessen ließ. Mürrisch ächzend drehten wir uns unglücklich im Kreis und jagten jeden Anfang dem Ende zu. Aufgebracht und sinnbefreit warfen wir uns Steine in den Weg, sehr wohl wissend, dass sich aus langen Leinen längst Schlingen geformt hatten. Wir sahen und spürten sie genau, bis zu dem Tag, an dem wir sie uns um unsere Hälse legten und so fest daran zogen, dass wir kaum noch atmen konnten. Schlagartig waren wir uns fremd. So fremd, dass Spielen keine Option mehr war. So fremd, dass Worte plötzlich zu grobschlächtigen Eindringlingen wurden und radikale Ausweichversuche das Band der Zuneigung zerriss.

Wir sind wie verwitternde Papierbecher, die nur noch zaghaft ihrem Schicksal trotzen. Wir liegen nebeneinander, aufgeweicht, vergehend und klagend. Immer wieder. Mal schreien wir lauthals unseren Zorn hinaus, mal weinen wir bittere Tränen.

Es ändert nichts daran, dass wir verrotten.


 

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