INSIDE-OUT

Du, die Insel. Der Stein. Der Staub.

Und die Anderen.


Die Wahrheit, seit Jahrtausenden an der Wand des Bewusstseins haftend, schreibt ein Lied für dich. Es handelt von Demut und Lobpreisung. Wenn du es anstimmst, verwandelt es sich in ein Klagelied.

Du sitzt allein auf einem Stein, um dich herum das Meer. Ein trauriges Gewässer aus Tränen, die dir fremd erscheinen. Du kannst dich nicht erinnern, dass du weintest.

Die Wahrheit ist eine verpisste Lache, die aus den Poren der Anderen gedrungen ist. Eine Kotzbrühe aus ehemals festen Brocken, die sich aus sich selbst heraus zersetzen, obwohl es ihnen doch verboten wurde. Bis zur Unkenntlichkeit eingeschleimt schwappt dazwischen Sehnsucht hin und her. Nur du kannst sie noch sehen. Es schaut ja sonst kein Anderer nach ihr. Die Anderen, die du nicht bist.Du harrst aus, bedauerst, klagst und verschwindest in Erinnerungen. Vieles steht still, nur Mauern wachsen aus deiner Haut. Schief und krumm türmen sie sich auf und lassen eine alte Saat aufgehen. Ein noch älteres Lächeln klebt wie Schaum in deinen Mundwinkeln.


Du, die Insel.
Strömungen treiben Fettaugen zu dir herüber und du siehst Mut in ihnen funkeln. Er zwinkert dir zu, aber du bittest ihn, es sein zu lassen. Brandung frisst sich in dein Fleisch und nimmt dir, was nie dein Eigen war. Es waren unerwünschte Leihgaben der Anderen, die sich davon im Überfluss laben. Sie sammeln sich in ihren dicken Bäuchen, die zu später Stunde explodieren. Halb verdaute Überreste prasseln lautlos auf dich nieder. Du nimmst nicht, was du kriegen kannst. Du willst nur, was dir keiner gibt.Die Stille trifft dich schwer am Schädel und reißt die Narbe auf. Das Trauma rauscht heraus und hinterlässt blutige Spuren in deinem Gesicht. Du folgst ihnen bis zur Mündung. Doch deine Zunge ist verschwunden. Sie hängt zum Trocknen auf irgendeiner Leine. In einem anderen Land. Die Kraft deiner Gedanken nutzt du nicht und wirst zum stummen Stein. Im Sud der Ignoranz der Anderen weichen deine Ecken. Deine Kanten werden rund.

Du, der Stein.
Du wanderst durch Menschenhände, wirst eingesammelt, eingetütet, ausgestellt. Du verweilst in manchen Hosentaschen oder wirst achtlos weggekickt. Manchmal glitschst du über Oberflächen, bevor du tief sinkst. Hin und wieder nimmst du den Platz von Herzen ein oder ruhst dich in Brettern aus.Die Wahrheit ist der Stein des Anstoßes. Die Anderen stoßen sich daran, du reibst dich an ihr. Zermahlst sie in abertausend Stücke, bis du selbst zum Staubpartikel wirst und dich unbemerkt verteilst.

Du, der Staub.
Du legst dich auf wundgeschriene Lungen und offen liegende Wunden, die du entzündest oder heilst. Was auch passiert, es bleibt wie du ganz unbemerkt. Schon längst bist du verschwunden. Du reitest auf dem Wind, der dich in dunkle Ecken weht und ihren Blicken entzieht. Blicke, die ohnehin nicht fallen, sondern nur streifen. Du bestehst fort, wo sie nicht bleiben wollen und wirst zum Wächter, der nichts von Wert bewacht. Dort wo sie ihre Urteile aufbewahren.


Du hast dich tief getroffen. So tief, dass die Mühe nicht lohnt, sich danach zu bücken. Manche Wunden sind selbsterklärend. Diese schreit dich an. Doch am Ende des Tages wirst du dich ihr stellen müssen. Der Wahrheit der Anderen, die du nicht bist.



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