Puzzlement

Augenblicke, so viele Augenblicke, viel zu viele Augenblicke

Deine Augen, deine Augen, deine Augen. Immer wieder deine Augen. In deinen Augen war stets Herbst. Aber nicht der traurige, öde Teil davon, sondern der wunderschöne, der farbenfroh verzaubernde, welcher die Melancholie des Spätherbstes schon ahnen lässt, aber noch immer die Hitze des Hochsommers und all seine sündigen Erlebnisse aus tropischen Nächten in sich trägt. Ich versank in deinem Herbstblick, sobald er mich erreichte und verschwand vollends darin, wenn im gleichen Moment diese ganz spezielle Melodie erklang, die nur wir beide hören konnten. Nie sah ich tiefer in eine Welt hinein als durch deine Fenster zu ebenjener. Es waren die Augen einer Primaballerina und sie tanzten nur für mich. Manchmal so wild und heftig, dass ich nicht mehr wusste, ob wir es waren, die sich drehten oder die ganze Welt. Vielleicht drehte sich einfach alles in- und umeinander oder es war das Universum, was um uns kreiste, während es uns verschlang. Ich erinnere mich, wie du dich einmal vor mich stelltest, demonstrativ deine Augen schlosst und mich herausfordernd fragtest, welche Farbe deine Augen hätten. Ich zählte dir alle Farben und Nuancen auf, die mein Wortschatz hergab und du lachtest mit deinem viel zu schönen Mund und deinen viel zu bezaubernden Augen, immer wieder deine Augen. So wunderschön betörend, umrandet von einem samtenen Kranz aus Wimpern, die zu viel zu schön, viel zu dicht, viel zu lang und viel zu geschwungen waren, um wahr zu sein. Doch sie waren es, so wie du ganz und gar wahrhaftig gewesen bist. Deine Augen öffneten Seelen und du stiegst tief hinab in Abgründe, solange bis du gefunden hattest, was du in jedem Mensch zu sehen glaubtest. Mit irgendetwas kamst du immer zurück, und sei es mit leeren Händen, so doch mit Herbstgold in deinen Augen, immer wieder deine Augen. Ich ahnte, was sie bereits zu sehen ertragen mussten, viel Leid, viel Kummer, viel Schmerz. Doch all das hat sie erst so stark gemacht, so wissend, so sehend, so weise, so golden. Ich habe mich oft darin gespiegelt und nicht selten hast du mich erblinden lassen, alleine durch deine glänzenden Augen, immer wieder deine Augen. An manchen Tagen strahlten sie so hell, durchfluteten meine Galaxie, bis ich völlig vergaß, wie die Dunkelheit aussieht. Und wenn sie wieder anbrach und die Nacht in einen Albtraum zu verwandeln drohte, dann spielten deine Augen für mich Mond, lenkten mich und die Gezeiten. Dann konnte ich schlafen, ruhig und sicher, aufgehoben von dir und deinen wunderschönen Augen träumend. So wollte ich dich bewahren, so sollte es immer sein. Doch jetzt verstummt die Melodie und mir fehlt die Kraft die Spieluhr wieder aufzuziehen. Und auch die Primaballerina muss ein wenig ruhen. Ein letzter Blick in deine Augen, immer wieder deine Augen und ich halte inne. Mich fröstelt und mir fällt plötzlich wieder ein, dass Blicke töten können, dass du niemals Herbst gewesen bist. Weder du, noch deine Augen. Jeden Abend betrachte ich sie und zelebriere dieses ganz besondere Mahnmal aus unseren Augenblicken. Deine Augen, deine Augen, deine Augen. Immer wieder deine bitteren, eiskalten Augen auf dunkelrotem Samt gebettet. Behutsam lasse ich den schweren Deckel auf das Porzellankästchen sinken und deine Augen in der Finsternis verschwinden. Morgen sehen wir uns wieder, wenn ich mich daran erinnern muss, dass du doch einfach nur November gewesen bist.


 

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6 Kommentare zu “Augenblicke, so viele Augenblicke, viel zu viele Augenblicke

  1. Ehrlich? Dieser Text überzeugt mich nicht so ganz. Die Gedanken dazu sind gut. Auch die Wendung gefällt mir. Jedoch überwiegt das Wort Augen textlich zu sehr,
    Textlich beschreibst du die Eigenschaften und Wirkung aus der Sicht des Betrachters. Die häufige Verwendung eines Wortes reduziert das Bild der Wirkung, worauf der Text ja abzielt, und führt mich auf den Ausgangspunkt des Organes zurück.
    Ich weiß nicht, ob du verstehst, was ich damit meine.
    Anfänglich ist da nur ein Organ. Dann die Eigenschaft und hebst es textlich in Aussagen zur Wirkung. Du verlagerst also die Betrachtungsweise auf eine andere Ebene, um den Text fließen zu lassen. (deine Augen – die Iris – die Wirkung – die Tat) Du wirfst mich jedoch in den aufbauenden Ebenen zurück auf den Ausgangspunkt, um es neu aufzubauen.

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    • Die Gedanken wozu? ;-)
      Naturgemäß fällt es mir schwer mich von meinen Worten derart zu distanzieren, dass ich gut nachvollziehen kann, wie es bei den Lesern ankommt. Da ist soviel Spielraum, den ich in meiner oft sehr beschränkten Sicht als Verfasserin kaum füllen kann. Ich denke, Texte, die ich viel mehr für mich oder spezielle Personen geschrieben habe, kann ich gar nicht objektiv einschätzen. Insofern: nein, ich verstehe nicht ganz, was du meinst. Natürlich ist das Wort „Augen“ hier übermächtig, jedoch ganz gezielt, und um das hervorzuheben, habe ich bereits den Titel entsprechend gestaltet. Für mich ist da im Prinzip gar kein Organ :-)
      Wenn ich echte Geschichten (mit Handlung/einer Storyline) schreibe, weiß ich darum, dass ich den Text in die Hand des Lesers geben muss und kann ihn dahingehen auch gut betrachten und viel berücksichtigen. Bei dieser Art von Texten über Emotionen, deren Einordnung mir selbst immer noch nicht ganz klar ist, fällt mir das wahnsinnig schwer. Ich mag das auch selbst nicht sooo sehr, weil ich dadurch regemäßig dazu neige, in eine seltsame Art von Erklärungswahn zu verfallen. Dabei ist der Text die Erklärung selbst. Strange…

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  2. Ich danke für diesen Kommentar. Habe ich wohl noch nie geschrieben ;) Du schreibst so viel und vielfältig, niemals einfältig, dass ich manchmal die richtige Schublade suche. Manchmal passt es – manchmal nicht. ;) Aber genau das macht aus, was Mrs.McH so treibt. Für den Erklärungswahn, den ich nur allzu gut kenne, bräuchten wir einen langen Abend mit mindestens 2 Flaschen guten Rotwein, was bedeutet, wir würden danach beide nicht mehr klar sehen können. Aber als Resultat: schön darüber gesprochen zu haben. Dabei höre ich doch lieber zu :)

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