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DiePleaseDieMyDarlingDie

[ErLösung]

Träge suhlt sie sich in ihrem Elend. Das Elend nennt sich Ehebett und es steht in ihrem Zuhause. Sie teilt es sich mit dem Teufel und seiner Brut. Der Teufel ist ihr Ehemann und seine Seite des Elends bleibt schon so lange kalt, wie die Hitze sie einst verbrühte. Er ist gut. Er ist gütig. Er ist so unendlich langweilig. Sterbenslangweilig. Sterben. So langwierig.

Sie weiß nicht mehr, seit wann er nicht mehr bei ihr schläft. Mindestens so lange wie er nicht mehr mit ihr schläft. Er ist ja schließlich kein Perverser. Ha. Sie weiß es besser. Sein Reich ist jetzt das Wohnzimmer. Das Zimmer, in dem er wohnt. Und fickt, dass sich die extra freigelegten Balken biegen. Heute war sie wieder da. Die Sterbebegleiterin. Eine feine Dame, die der Absurdität die Krone aufsetzt. Sie geht den Weg nicht bis zum bitteren Ende mit. Tut aber so. Und kommen tut sie jeden Tag. Stirbt fremde kleine Tode mit dem ach so treusorgenden Teufelskerl. Um Treue sorgt sich niemand mehr. Qualifikationsrunden. Irgendwer muss doch die freiwerdende Stelle der Rabenmutter übernehmen. Eintrittsdatum unbekannt, doch Probearbeiten ist sicherlich nicht falsch. Sie gibt alles. Und nimmt. Die kleine Raupe Nimmersatt. Ihre Schreie dringen hoch bis in ihre vorletzte Ruhestätte. Und machen sie an. So gerne hätte sie mal wieder einen Orgasmus. Doch leider ist keiner mehr bereit, ihr einen zu besorgen. Ihre verdammten Hände, die früher einmal so feurig und flink über den eigenen und unzählige andere Körper huschten, die Pussies und Schwänze zum Jubilieren brachten, sind einfach tot. Abgestorben.

Kürzlich hatte sie einen Traum. Erotisch fing er an und endete in einer sexuellen Explosion. Vielleicht war der Orgasmus so intensiv, weil er so lange ausgeblieben war. In diesem Moment wäre sie gerne gestorben. Endlich. Ihr Körper zuckte und bebte und wurde von Wellen der Erregung durchgerüttelt, ja fast hätte sie sich aufgebäumt. Wäre sie nicht festgeschnallt gewesen. Wie immer in der Nacht. Fesseln der Lust. Das war früher anders. Sie muss laut und erregt gestöhnt haben, denn es trieb den Teufel aus seiner Hölle. Direkt zu ihr hinauf.  Vielleicht waren es die Fetzen einer längst verblassten Erinnerung, die ihn so hart machten. Die ihm dieses widerliche Grinsen ins Teufelsgesicht trieben. Der werte Herr Doktor nannte es später einen Epileptischen Anfall. Es passt zum Krankheitsbild. Alles passt ganz wunderbar. Für sie. Armes Ding. Nun wird es doch hoffentlich bald mit ihr zu Ende gehen. Erlösung. Möge der Herr sie bald erlösen, das ist doch kein Leben. Süße Worte auf den Zungen von Schlangen. Ihr Zischen ist nicht zu überhören. Ihr Tuscheln, ihre Gedanken. Überlegungen, wie man ihr behilflich sein könnte. Hilfe zur Selbsthilfe. Ja, wie können sie sich wohl selbst am besten helfen? Doch der Tod will und will sich einfach nicht einstellen. Wer erlöst werden will, der muss weiterleiden. So. Wäre ja noch schöner, wenn er auf Verlangen käme. Ganz gleich wer der Bittsteller ist, er kommt, wann er kommen will. Ganz wie der Teufel, dessen Augen Tag für Tag länger auf den Überwachungsmonitoren verweilen. Hoffnung und Enttäuschung vereinen sich in seinem Blick. Wieder und wieder findet er seinen Fokus am Ende der Stromkabel der lebenserhaltenden Gerätschaften. Es ist absurd, denn alles was sie erhalten, ist das Sterben. Sie halten das Leben an. Sein Leben. Es könnte so einfach sein. Die Strompreise steigen, er kann es sich einfach nicht mehr leisten. Diese Energie. Diese Energieräuberin. Dieses Leben. Es ist einfach, wenn man weiß, wie es geht. Befreiung. Am Ende ist es so einfach. Erlösung ist für alle da.



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2 Kommentare zu “DiePleaseDieMyDarlingDie

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