MediumRare

Herzgeräusche

Ich ertrage nicht zu hören, wie eure Herzen schlagen.

Dumpf poltert ihr in mich hinein. Ich lausche dem Takt eurer Leben und komme einfach nicht mit.

Eure Töne schwellen an und grölen durch mich hindurch. Eure Vibrationen kriechen tief unter meine Haut, fressen sich in meine Knochen und erschüttern mich. Die zugezogene Tür hinter mir verzieht sich und durch die entstandenen Schlitze scheint bedrohlich euer Licht in die Dunkelheit.Geht weg mit eurem widerlichen Lauten und Leuchten und euren frohen Herzen, schweigt einfach, seid still!“, rufe ich euch zu. Doch ihr schlagt so laut den Bass eurer Leben an, dass ihr mich nicht hören könnt.

Meine Sinne bluten und übelriechender Sud tropft aus allen Poren. Ich würge und weine, ich kotze und lache und wünschte, ich könnte meine Ohren mit mir selbst verstopfen. Aber ich will nicht, dass das die Lösung ist. Ich mache den Lautesten unter den Lauten aus und stelle mich ihm in den Weg. Ach, du bist das …


Ich mustere dich und dein abstoßend lautes Herz. Ich möchte es mit purer Willenskraft zermalmen, es zerquetschen und einmal hübsche Geräusche erzeugen, die in anderen Lebenslagen vielleicht sogar erregend wirken könnten. Ich will dein Herz in einen Fleischwolf schmeißen und das Brät, zu kleinen Klößchen geformt, zurück in deine Suppe werfen. Ich kann und will dich nicht mehr sehen, nicht mehr hören, nicht mehr riechen, nur noch schmecken. Ich schließe meine Augen und sehe das, was du nicht siehst …

Und das ist gar nicht da.


Tief über den Teller gebeugt, beginne ich dich auszulöffeln. Doch weil du nicht riechst, schmecke ich dich nicht. So fade und geschmacklos stillst du meinen Hunger nicht. Mit dir werde ich niemals satt. Ich esse dich nur, damit ich nicht sterbe. Ich überlasse deine Reste den anderen. Ihre noch immer dröhnenden Herzen scheinen sich zu überschlagen, als sie sich über dich hermachen. Doch wieder ist es ein Takt, der anders klingt als meiner. Er vermischt sich mit ihrem Schlurfen und Schmatzen und zufriedenem Rülpsen. Ich lausche dieser absurden Melodie, zu der ich wahrscheinlich niemals richtig tanzen lernen werde. Menschengeräusche.


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14 Kommentare zu “Herzgeräusche

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