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Bambis Herz

Liebevoll.

Ich mag seine Fürsorge so sehr. Und diese vielen kleinen Dinge, die er für mich tut, die ihn so großartig machen. Ich liebe seinen Sarkasmus. Die Art und Weise wie er mich aufzieht und mir mit seinen vermeintlich ach so coolen Sprüchen signalisiert, was er nicht in der Lage ist, mir in direkten Worten zu sagen. Ich lese genau zwischen seinen Zeilen und er weiß das. Er zwinkert mir dann neckisch zu und bestätigt mich durch sanfte Küsse auf meine Stirn. Ich mag, wie er mich anschaut, wie sein Blick über mein Gesicht wandert und immer besonders lange an meinen Lippen haften bleibt. Er hat dann dieses verliebte Funkeln in den Augen. Auch jetzt gerade, wenn er sich liebevoll um mich und meine Wundversorgung kümmert.Dieser bescheuerte Unfall. Es brach ihm das Herz mich so zu sehen, das viele Blut, die riesige Platzwunde. Er konnte ja nichts dafür, ich hätte wahrscheinlich auch für das Reh gebremst. Ich mag, dass er so tierlieb ist. Zum Glück hat er das Reh nicht erwischt. „Es scheint sofort im Wald verschwunden zu sein“, erzählte er mir später. Ich kann mich an nichts vor oder nach dem Aufprall erinnern. Es war ein Tag wie jeder andere und scheinbar eine Verkettung unglücklicher Umstände. Ich war, im Gegensatz zu ihm, nicht angeschnallt, er fuhr etwas zu schnell, das Reh, der Airbag, der versagte. Es hätte weitaus schlimmer kommen können, wir hatten einen Schutzengel und ich glaube, dass das ein Zeichen ist. Ich genieße sehr, wie er mich liebevoll gesund pflegt. Alles wird gut, mein Herz. Alles wird gut.


Ihr Lachen ist ganz in Ordnung, fast süß. Natürlich sind es speziell ihre abgefuckten Grübchen, die ohnehin jedermann niedlich findet. Dafür ist der Rest ihres Gesichtes eine seltsame Mischung aus lieblich und markant. Tatsächlich mag ich ihre Lachfältchen um ihre Augen herum. „Ich hasse deine Krähenfüße“, ist, was ich ihr sage. Dann stutzt sie und zuckt sogar ein wenig zusammen. Keine Ahnung, was sie in diesem Moment erwartet. Ich zwinkere ihr dann einäugig zu und wenn ich ganz besonders gut gelaunt bin, setze ich noch einen scheiß liebevollen Stirnkuss nach. Voller Absicht hinterlasse ich eine feuchte Spur mit meinen Lippen, wohlwissend, dass sie es verabscheut. Ich schaue sie an und weiß, was sie denkt. Mühelos könnte ich jeden ihrer Sätze zu Ende sprechen. Eigentlich wäre es mir sogar sehr recht, wenn sie gänzlich ihr verdammtes Maul halten würde. Schon öfter dachte ich darüber nach, wie hübsch sie doch mit zugenähten Lippen aussähe. Die Vorstellung erregt mich sehr. Ich behalte mir das auf jeden Fall einmal im Hinterkopf. Apropos Hinterkopf.

Ich muss daran denken, wie ich ihren Hinterkopf packte und nachhalf. Ich fand eben, der Aufprall war ein bisschen lasch. Ich hatte gehofft, ihr Kiefer würde brechen oder wenigstens so verletzt werden, dass ihre Klappe ein paar Tage verschlossen bleiben würde. Stattdessen ist sie mit einer, in meinen Augen, wirklich lächerlichen Platzwunde davon gekommen. Ich zählte die Stiche und war empört über die gute Arbeit des Chirurgen. Mit viel Glück aber wird eine Narbe auf ihrer Stirn zurückbleiben, was sie ganz furchtbar schlimm findet. Die hat Sorgen. Ich schaue besser mal nach, wie es der Schlampe geht. Sicher wird sie wieder danach fragen, was wohl aus dem ‚armen Bambi‘ geworden ist. Das tut sie ständig und ich frage mich inzwischen, ob sie nicht doch einen hübschen kleinen Hirnschaden davon getragen hat. Ein simples Schleudertrauma fände ich ohnehin sehr enttäuschend. Ich lächele sie an und sage liebevoll leise: „Bambi geht es gut. Alles ist gut, mein Herz. Alles ist gut.“ Ich lüge sie nicht an. Dem verfluchten Reh geht es sicher prächtig. Ich selbst habe es im Wald verschwinden sehen. Tief im Unterholz meiner Phantasie.



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Ein Kommentar zu “Bambis Herz

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