♥STINGS

MomentDenkmal

Glückliche Blutmomente. Rauschen und Gluckern.

Blutest du noch oder leidest du schon? Denk mal …

PicsArt_1417560862077

Erinnerst du dich an damals? Als deine Lebenslust noch ausgelassen und zügellos durch deine Seele floss? An die Zeit, als jeder Stich noch Folgen hatte? Selbst das harmloseste Ritzen an der Oberfläche brachte deinen Lebenssaft zum Vorschein. Er quoll aus dir heraus, ganz gleich wie winzig die Verletzung auch gewesen sein mag. Er sprudelte, spritzte, floss und floss und konnte kaum gestillt werden, so voller Saft bist du gewesen. So voller Leben. So reich. So bunt.

Heute gibt es keine Blutmomente mehr für dich. Es ist nicht so, dass die Angriffe weniger wurden oder dass kein Saft mehr in dir sei. Es tut dir einfach nichts mehr weh. [Einmal Abbrühen, bitte! Ach, mehrfach gleich, nur zur Sicherheit. Hui, wie krass das brennt.] Und bald schon bildete sich ein zähes Narbengewebe. Es deckte die ganzen Schrammen und Male zu, wucherte, wuchs und ja, auf eine Weise verwuchs es sich. Ja, es gab diese Stellen, die heilten nicht ganz so gut. Sie nässten oder eiterten gar. Schön war das nicht für dich. Aber sie erfüllten am Ende doch ihren Zweck. Alle Wunden haben sich irgendwann verschlossen. Und in die, die länger zum Heilen brauchten, konnte man immer so hübsch Salz hineinstreuen. Manche Narben ziehen und zerren etwas an dir, wenn du seltsame Bewegungen machst. Meistens sind es intuitive Abwehrbewegungen. Momente, in denen du vergisst, dass das gar nicht mehr nötig ist. Vielleicht ist es eine alte Gewohnheit, die du nicht ablegen kannst. Wahrscheinlicher ist, und im stillen Kämmerlein weißt du das genau, dass es das noch nicht ganz ad acta gelegte Verlangen nach Nähe ist. Nähe, die du nicht mehr zulassen kannst und brauchst, seit das Bluten aufhörte. Seit die unzähligen Schichten von Narben dich derart gefühllos und zu einem hässlich kalten Menschen machten. Seit du abgestumpft bist. So arm. So farblos.

Was dir zunächst erstrebenswert erschien, hatte einen Pferdefuß, den du nicht bedacht hattest. Doch gib dir keine Schuld, du wusstest es nicht besser. Du opfertest dich nach bestem Wissen und Gewissen. Und nun stirbst du in dir ab, weil du dich selbst lebendig begraben hast. Jetzt spürst du keine Schmerzen mehr. Selbst wenn man zusticht, tritt oder auf dich einschlägt, fließt kein Tropfen mehr aus dir heraus. Obwohl du innen eigentlich noch voller Leben bist, voller Sehnsüchte und Leidenschaften, ist diese Quelle nun versiegt. Dein Blut fließt zäh und desinteressiert durch deine Bahnen. Träge und energielos gleitet es vor sich hin, weil es nichts anderes mehr kann, als haltlos zu sein. Aus deinen unzähligen Narbensträngen wurde ein einziges dickes Tau, was dich umschlingt, umhüllt und wegschließt. Ein herkömmlich dickes Fell langte dir nicht und nur langsam hast du begriffen, dass das ein Fehler gewesen ist. Du Narr. Du Närrin.

Ein Fell hätte so herrlich weich sein können. Ein wohlig warmer Pelz, der dich schützen und doch so vieles zulassen würde. Man hätte dich einfach einmal gegen den Strich streicheln können, dich rubbeln und knubbeln. Man könnte dich kraulen, liebkosen, massieren, dich gerne haben und sich zufrieden seufzend an dich schmiegen. Das alles entgeht dir nun. Ein Schaben, ein Klopfen oder Hämmern an deiner harten Narbenrüstung, das ist alles, was du mehr hörst, als dass du es spürst.

Ja, etwas spüren. Das Schöne, das Gute, das Warme. Es fehlt dir so sehr, es schmerzt dich, wie kein Leid zuvor. Keiner da draußen kann diesen Schmerz noch wahrnehmen. Wo nichts hinein geht, kommt auch nichts hinaus. Und nun sehnst du dich nach deinem roten Lebenssaft, du wünschst dir, dass er wenigstens noch ein einziges mal, heiß und pulsierend aus dir herausströmen und prickelnde Spuren hinterlassen würde. Aber du weißt, dass es kein Zurück für dich gibt. Du baust deinem Leid ein eigenes Denkmal, doch betrachten … tust du es nicht. Denken … tust du nicht. Stattdessen wirst du in deiner Festung zugrunde gehen. Doch du möchtest dabei lebendig sein. Oder dich mindestens so fühlen, als ob du leben würdest. Du willst das Rauschen und das Gluckern wieder hören. Blutmomente voller Glück. Fühlen. Dich dafür aufzugeben, wäre kein Opfer mehr, weil du nun endlich verstanden hast. [Momente sterben … in dem Moment … wenn sie passieren …] Nicht zu bluten, ist keine Lösung.


 

Advertisements

°Kommentar °Kritik °Anregung... Very Welcome ♥

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s