Puzzlement

HierUndDort

„Liebe, oder lass es bleiben. Und warte nicht darauf, dass du zurückgeliebt wirst. Denn wenn du das tust, bist du so gut wie tot. Ich will mich lebendig fühlen.“ Das sind die Worte einer Frau, die ich nicht liebe. Und deshalb brauche ich sie manchmal sehr. Diese Frau. Diese Worte. Ihre Liebe zu allem, was nicht Liebe ist. „Das ist das Beste, was du tun kannst“, sagt sie, „lieben, was nicht liebenswert ist und lieben, wer oder was nicht geliebt werden will. Damit bist du auf der sicheren Seite.“ Ich habe lange gebraucht, um diesen simplen Satz zu begreifen. „Gar nichts hast du begriffen, alter Mann“, blökt sich mich an und küsst mich. ‚So küsst nur eine Frau, die nicht liebt‘, denke ich und genieße jede Bruchteilsekunde ihrer Zuneigung, die keine ist.

Ich bin kein alter Mann, an Jahren sogar recht jung. „Aber du bist alt im Kopf“, hat sie einmal gesagt, weil sie nicht ‚Du bist weise‘ sagen wollte. „Es sind die scharfkantigen Ecken von Worten, an den Träume zerschellen können, wenn man sie laut ausspricht.“ So vieles will sie nicht sagen, nicht aussprechen. „Nicht wahrmachen“, sagt sie dann doch und geht genau dorthin, wo sie nicht sein möchte. Aber ‚die sichere Seite‘ ist ihr lieber und ich spüre einen Funken Unsicherheit, während ihre Lippen meinen Hals hinabgleiten. Ich mag diese kaum hörbaren Geräusche von Leidenschaft, diese vielen kleinen Küsse untermalt von unterdrückten Seufzern. Das Klagen von Sehnsucht, mit der sie mich betört, seit wir uns trafen. Sie will mich nicht und nimmt mich doch. Immer wieder.

Ihr Schweigen wird lauter, als ihre Zungenspitze meine Nippel liebkost und ich bekomme eine Ahnung davon, dass sie darunter leidet. Ich vergesse es immer wieder, wenn wir uns verlassen habe. Dann ist sie einfach verschwunden. Ich denke wohl an sie, aber ich weiß es nicht. Sie ist wie ein Traum, der aufgeschrieben werden sollte und dann doch vergessen wurde, noch bevor man erwacht. Aber es bleibt ein Schatten auf dem Gemüt‚ der kitzelt und seltsam erregend ist. ‚Liebe, oder lass es bleiben‘, zitiere ich sie in Gedanken und genieße das Spiel ihrer Hände zwischen meinen Beinen. Ich liebe – wie sie es bleiben lässt.

Ich weiß nicht, wer diese Frau ist, die mich nicht liebt. Ich weiß nicht, wo sie herkommt, und niemals, wohin sie geht. Wenn sie plötzlich wieder vor mir steht, dann kann es nicht der gleiche Ort gewesen sein, zu dem sie aufgebrochen war. Ich sehe in ihren Augen, dass sie immer woanders ist. ‚Wahrscheinlich hat sie recht damit, dass ich nichts begriffen habe‘, sinniere ich, während ihre Zunge über meinen Bauch gleitet. Gleich wird sie ihre Nasenspitze für einen Augenblick in meinem Bauchnabel stecken und dabei kichern. Das ist etwas, was sie sich nicht nehmen lässt. Auch wenn ich vermute, dass es ihr ums Geben geht, denn verlangen tut sie nichts. Anders kann ich es mir nicht erklären. Anders kann ich sie mir nicht erklären. „Worum geht es eigentlich hier?“, habe ich sie einmal gefragt. „Entweder fragst du nach dem ‚hier‘, ohne zu wissen, worum es ‚dort‘ geht“, hatte sie erwidert und in die Richtung gewunken, aus der ich gekommen war, „oder du hast wirklich noch nicht begriffen, dass es immer um das Gleiche geht.“

Nach ihrer Antwort, habe ich die Frage nie mehr gestellt. Ich glaube, sie ist Methusalem. Seitdem sind gar keine Fragen mehr offen, aber ich stelle ihr hin und wieder trotzdem welche, nur damit ich ihre Worte hören kann. ‚Vielleicht sind wir so gut wie tot‘, denke ich und fühle mich lebendig. Auf der sicheren Seite. Oder eben nicht. „Was ist das?“, frage ich sie in dem Moment, als ihre Lippen sich über die Spitze meines Schwanzes stülpen. Das Brechen ihres Schweigegelübdes zerreißt mein Trommelfell. Dann weiß ich nichts mehr. Ich gleite irgendwie ab und weg und fort … und wünsche mir nur, dass ich mich an diesen Traum erinnern werde.


 

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