Paraphernalia

HalterLos

Ich war auf dem Weg in die WunderBar, als ich einen alten Kumpel wiedertraf, der auf der Durchreise war. Wie ich. Er begleitete mich ein Stück des Weges und wir unterhielten uns darüber, wie unsere Leben so verlaufen waren. Seins wohl nicht so gut, er hatte einige schwere Erkrankungen überstehen müssen und mit seinem Kopf war irgendetwas nicht in Ordnung. Bei der WunderBar angekommen wollte er nicht mit hinein, das wäre nicht so seins. Auch gut. In der WunderBar war der Name Programm und ich freute mich, ein bisschen Zeit dort zu verbringen. Ich gab meine Bestellung auf und reichte dem Barkeeper meinen GutSchein. Betroffen starrte er mich an. „Der ist nicht mehr gültig“, murmelte er und es hörte sich so an, als entschuldige er sich bei mir, „der ist abgelaufen.“ „Wie abgelaufen?“, fragte ich verdattert und nahm ihm den Wisch aus den Händen. Ich suchte die Stelle mit der Gültigkeitsdauer, fand sie und las ihm laut vor: „In guten wie in schlechten Zeiten, bis dass der Tod uns scheidet!‘ So! Und jetzt kommst du!“ Der Barkeeper schüttelte mit trauriger Miene den Kopf: „Nee, du. Du bist echt nicht die erste, die mit sowas hier ankommt, aber dein großes Los ist leider nur ein WertLos. Und die sind heutzutage eben … ohne MehrWert … naja, einfach … weißt schon … ist halt kein DauerLos.“ Während er seine letzten Worte sprach, klopfte er mir freundschaftlich auf die Schulter. HerzLos verließ ich die Bar und traf wieder auf meinen alten Kumpel. Er sagte, er hätte sich gedacht, dass ich nicht lange in der WunderBar bleiben würde und auf mich gewartet. Er reichte mir ein TrostLos und lud mich auf einen Drink in die AustauschBar ein. „Hier sind wir richtig“, sagte er, „wir alle“, und bestellte uns ein Herrengedeck. Er hatte recht behalten. Es wurde ein aufschlussreicher Abend mit erkenntnisreichen Gesprächen. Wir verbrannten den GutSchein und rauchten die Asche zusammen mit etwas Bullshit. Ich fühlte mich völlig losgelöst. „HalterLos steht dir aber gut“, sagte er plötzlich trocken, „lass das mal so“, und dann lachten wir Tränen, die ich nicht mehr weinen müsste. Wir verließen die AustauschBar bei Sonnenaufgang und tranken noch einen Absacker in der KostBar. Er begleitete mich zum Bahnhof und spendierte mir ein HoffnungsLos für den Rückzug. Wir winkten uns zum Abschied, bis wir uns nicht mehr sehen konnten. Ich wusste nicht, wann und wo ich ihn wiedersehen würde, aber es war einer der schönsten Abende meines Lebens. Ganz wunderbar.


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7 Kommentare zu “HalterLos

  1. Wenn man es SO betrachtet, gibt es ganz schön viele Bar’s in denen ich noch nicht war und unheimlich viele „Lose“, die ich schon gezogen, aber nicht wertgeschätzt habe… Sehr clever, MrsMcH, sehr clever :-)

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