Puzzlement

BrandRodung

Die Sonne schien in den Abgrund und verbrannte mich. Also stieg ich hinauf und knipste sie aus, stopfte sie zurück, in diese Büchse der Pandora, die eigentlich die Truhe des Bullshits war.

Dort drin lagerten bereits die Ärsche, derjenigen welchen, die ebenjene nicht in der Hose hatten; übrigens direkt neben der Futt, die mir einer mal auf die Backe malen wollte. Nicht zu vergessen die unzähligen gespaltenen Zungen, die selbst in dieser übelriechenden Kiste noch ihre feine Doppelmoral predigten und sich sehr gut mit den Meineidigen verstanden. Heute Nacht werde ich diese Truhe verbrennen – im Fegefeuer der Scheinheiligkeiten mit all den Geistern, die ich rief und den Dämonen, die ich weckte. Mein Teufel ist der Ehrengast und zusammen feiern wir ein rauschendes Fest. Über dem Feuer braten wir die weißen Kaninchen, damit ich ihnen nicht mehr folgen werde. Garniert wird das Festmahl mit treulosen Tomaten und den Karotten, die mir ständig jemand vor die Nase hält und die ich doch nie erreichen soll. Dann tanzen wir auf der verbrannten Erde und ficken, bis das Blut aus unseren Leibern strömt. Erschöpft, aber zutiefst befriedigt, schaufeln wir uns ein hübsches Grab und legen es aus mit dem grünem Gras von der anderen Seite des Lebensflusses, wo noch immer Sonne aus den Ärschen der guten Seelen scheint. Morgen werden wir sie vielleicht erschlagen und Menschenauflauf kochen für die Vorratskammer der lebenden Toten. Heißen Brei, um den sie alle reden können. Doch jetzt müssen wir noch graben und immer weiter wühlen, bis all der Dreck zum Vorschein kommt und plötzlich ist aus dem Grab ein tiefer, gieriger Schlund geworden. Wir gleiten hinein, wie ein harter, pulsierender Schwanz durch willige, zärtliche Lippen. Dort lassen wir uns nieder, gemeinsam mit dieser Liebe und dieser Freundschaft und all den Dingen, die wir aus Büchern kennen. Wir nennen sie Hangarounds, obwohl wir wissen, dass sie doch nur Nomaden sind.

Ich möchte ihnen wehtun, möchte sie aufknüpfen an den Haken, an denen ich einst hing. Sie sind Heuchler auf eine absurd ehrliche Weise. Sie glauben, was sie heute sagen, doch ‚morgen‘ ist damit nicht gemeint. Aber ich habe längst meine Waffen gestreckt, nachdem sie mich mit ihnen geschlagen haben. Ich habe nur noch meine Worte, gut versteckt in meinen Eingeweiden.

Irgendwann müssen wir eingeschlafen sein und als ich aufwache sind alle verschwunden. Sonne strahlt in den Abgrund und blendet mich. Ich blinzele nach oben und frage mich, aus welchem Arsch sie diesmal scheint. Bald wird sie mich wieder verbrennen. Also steige ich hinauf und … finde einen Gruß meines Teufels vor: eine feine, neue Truhe. In ihr ein Zettel auf dem nur vier Worte geschrieben stehen:

„Bis zur nächsten Brandrodung“

BRANDRODUNG

Ein weißes Kaninchen hoppelt über die verbrannte Erde.


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4 Kommentare zu “BrandRodung

  1. Pingback: Was andere so schreiben | die Schrottpresse

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