Paraphernalia

SonneMondUndRabenSchwarz

[Und wenn wir nicht gestorben sind … dann leben wir!]

Erwartungsvoll blinzele ich in die Sonne, während auf dem Dach meiner Existenz die Raben von den Dächern krächzen:

„Du bist tot! Du bist tot! Du bist so tot!“

Dann lachen sie und ich falle ein. Sie wissen noch nicht, dass ich mir aus ihren Federn ein Kleid nähen werde. Samt, weich, rabenschwarz. Damit fliege ich zur Sonne. Der Tod bietet so viele Möglichkeiten, aber das weiß niemand. Ich verwandele die Nacht in einen Tag und der Mond ist nun meine Sonne. Kalt. Trocken. Unnahbar. Dort will ich sein. So will ich sein, wenn ich wieder auferstehe.

Die Raben lasse ich zurück, wie sie sind. Nackt, verletzlich, geläutert. Nun bin ich es, die ihnen zuruft:

„Ihr seid tot! Ihr seid tot! Ihr seid so tot!“

Dann weinen sie und ich falle ein. Ich weiß, dass ich verglühen werde. Fiebrig, heiß, der Sonne viel zu nah gekommen. Längst kann ich nicht mehr blinzeln, denn sie hat mir die Lider versengt. Jetzt sehe ich alles. Was war, was ist, was sein wird. Die Sonne, wie sie strahlte und ich auf ihr spazieren ging. Den Mond, wie er sich verdunkelte und ich trotzdem an ihm festhielt. Mich selbst, wie ich lebe, wie ich verbrenne und erfriere, die Nacht zum Tag gemacht, den Mond zur Sonne und das Krächzen der Raben zu liebevollem Geflüster. Ich sehe mich in der Zukunft ihre Lieder singen.

[Und wenn wir leben … dann sterben wir nicht?]

Ich höre auf mit den Flügeln zu schlagen und ergebe mich dem freien Fall. Ich tauche ein in den Ozean meines Seins, während die Tiefseeungeheuer, die schon immer im Dunklen ihr Dasein fristen, feixen:

„Du bist tot… du bist tot… du bist so totgeweiht.“

Ich lächele die aussterbenen Kreaturen an:

„Ich weiß. Aber ich habe die Sonne gesehen.“

Es ist kein Wasser, was meine Lungen füllt und ich hätte nicht gedacht, dass ich überleben werde, als ich beginne wieder zu atmen. In der Dämmerung schwimme ich zurück an Land und lasse das Blutbad hinter mir. Die Raben erwarten mich schon auf dem Dach meiner Existenz. Irgendwann werde ich sie auch austauschen. Aber das wissen sie noch nicht. Das weiß niemand. Wir werden alle sterben. [Das will niemand wissen.]


 

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6 Kommentare zu “SonneMondUndRabenSchwarz

  1. erstmals hast du etwas geschrieben, was ich nicht verstehe, mich fragend zurück lässt, da ich es nicht greifen kann. vielleicht sind es die momentanen umstände, die mich beschäftigen, vielleicht auch mit tot (oder schreibt man jetzt tod) sprachlich wie gedanklich so nicht umgehen zu können.

    du kannst es aber als erfolg verbuchen, wenn ich so verdutzt vor einem text von dir stehe und nicht weiter weiß. vielleicht werden wir irgendwann über diesen text diskutieren und dann für mich mit einem aha-erlebnis abschließen.

    Gefällt 1 Person

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