Splitter

DrahtseilAkt

Ich gebe dir ein Gesicht. Mein Gesicht. Ich schaue dich an und sehe mich. Den Teufel im Antlitz eines Engels. 

Wir sind verschmolzen zu einem guten Bösewicht, der sein eigenes Herz erbrochen hat, um Platz für das des Anderen zu schaffen. Da wo meins gewesen ist, wächst nun Gras, jeder Halm so tief in dir verwurzelt, wie die Wurzeln eines alten Baums. Dort liegen wir, die Köpfe ineinandergesteckt, verbissen in unsere Lippen. Unser Blut schmeckt wie süßer Nektar und wir können nicht anders, als aneinander zu kleben. Würden wir uns trennen, verbänden uns zähe Fäden, so undurchtrennbar wie das Drahtseil, auf dem wir uns begegneten. Wir wären nie aneinander vorbei gekommen, hätten wir uns nicht fest ineinander gekrallt. Einer wäre gefallen. Jetzt stürzen wir höchstens noch gemeinsam ab. Im freien Fall.

Das letzte was wir sehen, wären unsere Gesichter. Meins in deinem, deins in meinem. Den Teufel im Antlitz eines Engels. 


 

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2 Kommentare zu “DrahtseilAkt

  1. Cool, wieder von Dir zu lesen. Ist sehr intensiv, was Du beschreibst. Kurz regt sich Widerspruch, bei den Seilen (man glaubte ja stets, es gäbe kein Ende, aber es gab schon so viele Enden), aber dann doch Erinnerung an dieses Unbedingte, Verschworene, Fatale. Und die Frage, ob man das je wieder will. Oder ob es je ohne gehen kann.

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