Puzzlement/Splitter

Er war so bedeutungslos …

… dass er noch nicht mal einen Schatten warf.

Er grub sich nicht in die Tiefen unserer Gedächtnisse wie ein Trauma, doch er war allgegenwärtig. Wir liefen vor ihm davon, nur gab es keinen Ort, an dem er nicht schon vor uns da war. Gelangweilt anmutend wartete er auf uns, nahm uns fast väterlich tröstend in seine Arme – ein kurzer Moment des Friedens und der Geborgenheit, wie dieses Gefühl einen alten Freund nach langer Zeit wiederzusehen und feststellen, dass sich nichts an der Zuneigung geändert hatte – nur um uns im nächsten Moment zu erdrücken, unsere Eingeweide aus uns herauszuquetschen, uns auf links zu drehen und mit unserem eigenen Gekröse zu erdrosseln. „Der Schmerz sitzt im Herz“, pflegte er zu murmeln während er uns auswrang und wir für einen viel zu kurzen Moment begriffen, dass er von sich selbst sprach. Wir erkannten ihn und schworen, dass wir uns beim nächsten Mal an ihn erinnern würden, ganz bestimmt. Aber wir hatten den Anfang der Erkenntnis längst vergessen, als wir zu ihrem Ende kamen. Wir können jetzt nur davon berichten, weil er es uns erzählte, bevor er im Schatten seiner Bedeutungslosigkeit verschwand, wo wir ihn bereits absurd sehnsüchtig erwarteten. Seufzend wie ein alt gewordener Freund nahm er seinem angestammten Platz ein, neigte sich uns müde lächelnd zu und wurde so allgegenwärtig, wie er nie aufgehört hatte zu sein …


 

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