WhoooWhooo Is Mrs.McH

Welttag der Poesie

Zum „Welttag der Poesie“ erinnere ich mich an einen meiner Lieblingstexte: Herzschlaf. Vor vielen Jahren geschrieben und da er mir so sehr gefiel, ließ ich ihn vor über 2 Jahren auch einmal vertonen. Einige meiner älteren Texte ‚beschämen‘ mich, wenn ich sie nach längerer Zeit wieder lese, doch an diesem würde ich heute nur sehr wenig ändern. Das ist meine Art der Poesie. Bittesehr:

#Herzschlaf

Während wir beide so tun, als würdest du schlafen, lege ich sanft meine Lippen auf deine Stirn und sage dir, dass ich dich liebe. Dein Herz galoppiert und du wirst spüren, wie meines rast. Deine Hand auf meiner Brust fühlt und streichelt das Pochen und du bemerkst selbst gar nicht, wie du dabei den Atem anhältst. Ich werde dir nicht sagen, dass es kein Herz ist, was dort für dich schlägt, sondern nur ein Schatten dessen. Eine ferne Erinnerung oder vielleicht auch nur die Sehnsucht eines Herzens seiner Bestimmung zu folgen und seine Pflicht zu tun.

Alles zwischen uns war von Beginn an bitter oder bittersüß. Pure Süße, Schärfe oder Saures kennen wir nicht und Salz ist nur dazu da, in offene Wunden gestreut zu werden. Meilenweit voneinander entfernt sind wir uns näher, als wenn wir zusammen sind, doch unser Wiedersehen schlägt stattdessen Schneisen der Verwüstung in uns hinein. Wir rammen uns vor Verlangen die Schädel aneinander und reißen uns die Zungen heraus, wenn wir uns küssen wollen. Während unsere Haut in Fetzen von uns runterhängt, stecken wir Nägel in unser nacktes Fleisch. Irgendeiner von uns gießt immer Öl ins Feuer, während der andere sich daran nur wärmen möchte. Wir ertränken uns in Liebessaft und stopfen uns mit Leidenschaft, solange bis wir Abneigung und Hass erbrechen. Wir wollen nicht zusammen sein, denn nur was zusammen ist, kann getrennt werden. Stets wollen wir das Beste noch vor uns wissen und ein Scheitern darf niemals das Ende sein. Die Erfüllung zum Greifen nah foltern wir uns durch Verzicht und Selbstkasteiung. Wir erkranken an uns, jeder für sich auf seine Weise, doch zusammen heilen wir uns zu Grunde. Wir loten unsere Leben aus, betreten fremde Pfade mit anderen, während wir insgeheim Umwege suchen, auf welchen wir uns mit Sicherheit finden werden. Wir zelebrieren einen Neuanfang nach dem anderen und nennen es verharmlosend Begegnungen. Bis sich wieder einer von uns davonschleicht, wenn der andere gerade schläft. So wie du gerade vorgibst es zu tun und erwartest, dass ich dich verlasse. Und weil ich weiß, dass du das tust, lasse ich dich wissen, dass ich es weiß und nicht verschwinden werde. Dann verstehe ich plötzlich, dass wir inzwischen beide viel zu müde sind, um uns noch davonzuschleichen. Wir werden uns gewahr, dass nun vielleicht die Zeit zum Bleiben angebrochen ist.

Und während wir beide so tun, als würde ich schlafen, legst du sanft deine Lippen auf meine Stirn und sagst mir, dass du mich liebst. Mein Herz galoppiert und ich stelle mir vor, wie deines rast. Gleich werde ich dir offenbaren, dass es von Beginn an viel mehr als ein Herz gewesen ist, was für dich schlägt. Ohne dich bin ich nur ein Schatten meines Selbst, wie eine ferne Erinnerung, die zu verblassen droht. Lass unsere Herzen die Sehnsucht aufgeben und ihrer Bestimmung folgen ihre Kür zu tun.

Aber deine Hand auf meiner Brust fühlt plötzlich das Pochen nicht mehr und dein Streicheln geht ins Leere. Ich habe selbst gar nicht bemerkt, wie mein Herz den Atem angehalten hat.

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3 Kommentare zu “Welttag der Poesie

  1. Ich erinnere mich nur zu gut an diesen Text, aber leider nicht an meinen damaligen Kommentar. Heute bin ich wortkarger, lese und lausche mehr, als ich in Buchstaben dazu hinterlasse. Eines nur. Beschämend ist keiner deiner Texte, die ich je gelesen habe. Und dieser hier gehört zweifelslos zu meinen Favoriten.

    Wir alle verändern uns und sehen Vergangenes mit anderen Augen. Es ist nichts Schlechtes daran, wenn sich Blickwinkel anders darstellen. Im Kern bleiben sie in ihrer Aussage beständig.

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  2. Ein, Zwei Leben wie man es innig kennt, festgehalten in Vier Minuten. Ich ziehe grade um und stöbere den Speicher, den Keller durch und entdecke jugendliches Liebesgeflüster, Zettelchen, kleine Brieflein voll zarter Worte und Gefühl noch so viel mehr als es ein junger Mensch ausdrücken könnte, und – ich finde alles schön, wieder schön. Und schmeiße nichts weg.

    Du hast mich an Eva erinnert. Danke.

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