Raum für Spekulationen

WahlLos

Die Sonne schien in den Abgrund und verbrannte uns. Also stiegen wir hinauf und knipsten sie aus, stopften sie zurück, in diese Büchse der Pandora, die eigentlich die Truhe des Bullshits war. 

Dort drin lagerten bereits die Ärsche derjenigen, die ebenjenen nicht in der Hose hatten. Übrigens direkt neben der Futt, die uns einer mal auf die Backe malen wollte. Nicht zu vergessen die unzähligen gespaltenen Zungen, die selbst in dieser übelriechenden Kiste noch ihre feine Doppelmoral predigten und sich sehr gut mit den Meineidigen verstanden. Heute Nacht werden wir diese Truhe verbrennen – im Fegefeuer der Scheinheiligkeiten mit all den Geistern, die wir riefen und den Dämonen, die wir weckten. Der Teufel ist der Ehrengast und zusammen feiern wir ein rauschendes Fest. Über dem Feuer braten wir die weißen Kaninchen, damit ihnen keiner mehr folgen kann. Garniert wird das Festmahl mit treulosen Tomaten und den Karotten, die uns ständig jemand vor die Nase hält und die wir doch nie erreichen sollen. Dann tanzen wir auf der verbrannten Erde und ficken, bis das Blut aus unseren Leibern strömt. Erschöpft, aber zutiefst befriedigt, schaufeln wir uns ein hübsches Grab und legen es aus mit dem grünem Gras von der anderen Seite des Lebensflusses, wo noch immer Sonne aus den Ärschen der guten Seelen scheint. Morgen werden wir sie vielleicht erschlagen und Menschenauflauf kochen für die Vorratskammer der lebenden Toten. Heißen Brei, um den sie alle reden können. Doch jetzt müssen wir noch graben und immer weiter wühlen, bis all der Dreck zum Vorschein kommt und plötzlich ist aus dem Grab ein tiefer, gieriger Schlund geworden. Wir gleiten hinein, wie ein harter, pulsierender Schwanz durch willige, zärtliche Lippen. Dort lassen wir uns nieder, gemeinsam mit dieser Moral und all den Dingen, die sie uns unterjubeln wollen. Wir nennen sie Hangarounds, obwohl wir wissen, dass sie doch nur Nomaden sind. Wir möchte ihnen wehtun, möchten sie aufknüpfen an den Haken, an denen wir einst hingen. Sie sind Heuchler auf eine absurd ehrliche Weise. Sie glauben, was sie heute sagen, doch ‘morgen’ ist damit nicht gemeint. Aber wir haben längst unsere Waffen gestreckt, nachdem sie uns mit ihnen geschlagen haben. Wir haben nur noch unsere Worte, gut versteckt in unseren Eingeweiden.
Irgendwann müssen wir eingeschlafen sein und als wir aufwachen, sind alle verschwunden. Sonne strahlt in den Abgrund und blendet uns. Wir blinzeln nach oben und fragen uns, aus welchem Arsch sie diesmal scheint. Bald wird sie uns wieder verbrennen. Also steigen wir hinauf und … finden einen Gruß des Teufels vor: eine feine, neue Truhe. In ihr ein Zettel auf dem nur vier Worte geschrieben stehen:
IHR HATTET DIE WAHL
Ein weißes Kaninchen hoppelt seufzend über die verbrannte Erde.


 

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4 Kommentare zu “WahlLos

  1. Pingback: Nochmal zur Wahl | Schrottpresse

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