GehZeiten

MorgenDämmerung

Wir lagen vor uns wie ein früher Wintermorgen. Nüchtern und kalt. Wir tanzten. Jeder für sich und doch gemeinsam. Keiner weiß, wer wen dazu aufgefordert hatte. Wir wurden zum Tag und begannen, uns Struktur zu geben, indem wir uns verwilderten.

Jetzt sind wir angebrochen wie eine Sommernacht. Und tanzen noch immer. Berauscht und warm und kunterbunt. Unsere Lippen suchen sich nicht und finden sich doch. Wir küssen uns ungestüm und vergessen, uns zu erinnern, uns zu vergessen. Jeder für sich und doch gemeinsam.


Bis wir uns eine andere Wildheit offenbaren und sie uns wie Reißzähne erbarmungslos ins Fleisch hauen. Keiner weiß, wer damit angefangen hat zu ignorieren, dass mancher Reißzahn zum Widerhaken werden kann. Wir streifen uns die Haut vom Körper und wälzen uns in Blut und Eingeweiden. Knochen schlagen aneinander und geben den Takt unserer Schläge vor, während der Kosmos unserer Leben beinahe in den Abgrund stürzt. Den seidenen Faden, an wir hängen, würde dennoch keiner von uns jemals durchtrennen. Wir retten zuerst uns und dann unsere Welten. Jeder für sich und doch gemeinsam.



Immer wieder im Tag geheilt und neu verwundet in der Nacht zeigen wir mit dem Finger auf uns. Einer muss doch die Schuld an diesem Kreislauf tragen. Wir nehmen nicht wahr, dass dabei drei Finger auf uns selbst zurück weisen. Wir wollten uns doch nur unsere Narben zeigen, damit wir endlich, endlich unser Schicksal begreifen. Doch das Zerfleischen hat uns mürbe gemacht. Kapitulierend fallen wir wie Herbstblätter von einem Baum. Wir bohren uns die Finger in die Augenhöhlen, weil wir das Sehen nicht mehr ertragen. Wie Tag und Nacht verschmolzen erblinden wir. Jeder für sich und doch gemeinsam.




Nichts sehend werden wir wieder sanft. Unsere geschärften Sinne vertreiben nach und nach die Dunkelheit. Riechend, schmeckend, streichelnd, uns spürend und begehrend erinnernd verwandeln wir uns in einen anbrechenden Frühlingsmorgen. Es dämmert uns, dass es viel zu früh zu spät geworden ist, um jemals zu vergessen.





Wir tanzen wieder. Wir stolpern über die in uns geschlagenen Wurzeln. Wir tanzen weiter. Auch morgen noch. Wir werden immer tanzen. Jeder für sich und doch gemeinsam. Und keiner weiß, wer wen dazu aufgefordert hat.

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