WortLose

KopfSteinPflaster

Alles sollte besser werden. Doch ehe wir uns versahen, war aus morgen ewig Gestriges geworden. Und die Stadt, die schwieg. Erst mussten wir investieren, damit wir wachsen konnten. Ob wir das wollten, hatte niemand gefragt. Dann mussten wir Opfer bringen, denn es war plötzlich kaum noch Platz zwischen den vielen kalten Körpern auf zwei Beinen. Jetzt mussten wir regulieren und die Stadt den neuen Bewohnern ĂŒberlassen, die so viel mehr waren. Wir hörten die klagenden Schreie unserer Alten und Weisen und deren Verstummen. Wir sahen ihr Blut, das in den Fugen der gepflasterten Straßen der Stadt das rote Muster ihres Martyriums nachzeichnete, bevor der Regen ihre mahnenden Spuren verwischte. Wir rochen den Duft der einsetzenden Verwesung, der aber schon bald vom Gestank der neuen schönen, heilen Welt in die Vergangenheit gedrĂ€ngt wurde. Dorthin, wo schon unser zwangsbegrabener Glaube und lĂ€ngst ausgetriebener Widerstand ihr Dasein fristeten. Hier und da brachen sie noch durch wie eine groteske Nachgeburt vereiterter Hoffnung. Doch aus den Fugen der gepflasterten Straßen der Stadt wurden abgrundtiefe GrĂ€ben, denn noch mehr roter Lebenssaft musste fließen. Am Leben blieben nur die Kinder, deren Morgen unser Gestern nicht mehr kannte. Ihnen musste nichts mehr ausgetrieben werden. Und die Stadt, die schwieg.

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