Puzzlement

DenkMalNicht

Du denkst, du gehst nach vorne, weiter, immer weiter. Bis du erkennst, du gehst auf das Ende zu, weiter, immer weiter, bis zum Schluss.

Das denkst du.

Und dann bedeutet jeder Schritt Verfall. Das denkst du. Du drehst dich um und gehst zurück, doch der Horizont ist mitgegangen. Du wendest dich ab, aber er ist immer vor dir da. Du drehst dich im Kreis und das Ende dreht sich mit dir, weiter, immer weiter. Du denkst, alles wiederholt sich wieder, immer wieder, nur die Gefühle tun das nicht. Jedes erlebst du nur ein Mal, und kommt es im gleichen Gewand daher, so ist es doch ein anderes. Aber nicht mehr als eine Kopie einer Kopie einer Kopie eines Gefühls. Du fragst dich, ob es nicht Sinn ergäbe, einfach stehen zu bleiben, dort, wo du jetzt bist, in der Mitte des Lebens. Vielleicht kannst du es dann einfangen, dieses eine Original, es festhalten, manifestieren und damit in deinen Händen auf der Stelle sterben.

Das denkst du.

Und dann planierst du den Boden unter dir, kein Wachstum soll mehr möglich sein, Gefühle gehören erstickt, bevor sie keimen können. Du denkst, du stehst, hältst still, bist stumm. Bis du erkennst, dass du nie lauter geschrien hast, lauter, immer lauter. Und jeder Schrei bedeutet Verfall. Du verstummst und hältst dir deine Ohren zu, doch die Schreie sind in dich hineingekrochen. Du ziehst dich aus dir heraus, doch sie verfolgen dich. Du drehst dich im Kreis und die Schreie folgen dir weiter, immer weiter, bis zum Schluss.

Das denkst du.

Und dann schaust du dich um und siehst nur Horizont, siehst das Ende, immer nur das Ende. Bis du erkennst, dass du den Anfang fast vergessen hast, er verblasst mehr und mehr, immer mehr. Das letzte, immer das letzte, an das du dich erinnern kannst, das ist das Gefühl, als du ein Gefühl mit Kreide auf den kalten Boden unter dir maltest. Es war ein Original. Keine Kopie einer Kopie einer Kopie. Du denkst, es war der Regen, der es wieder weggewaschen hat, der Regen, der am Horizont eine wunderschöne Liaison mit der Sonne eingegangen ist. Bis du erkennst, dass es deine Tränen waren. Du fragst dich, ob es nicht Sinn ergäbe, einfach aufzuhören mit allem, dem Weitergehen, dem Umdrehen, dem Stillstehen, dem Schweigen, dem Schreien und den Wiederholungen, einfach aufhören mit dem Warten auf das nächste Original. Bis du erkennst, dass es das Denken ist, das dich quält, immer wieder quält, dort wo du bist, in der Mitte des Lebens. Es ist nur ein einziger Gedanke, den du denkst und du denkst, er ist ein Original. Bis du erkennst, er ist nicht mehr als eine Kopie einer Kopie einer Kopie eines Gefühls. Und jedes Gefühl bedeutet Verfall.

Das denkst du.

Und obwohl du noch lange nicht am Ende bist, denkst du beständig vor, fühlst immerzu zurück, solange bis dein Denkmal steht. Und fällt. Ein Original. Zerdacht. Verfühlt. Und totkopiert.

Das fühlst du.

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Ein Kommentar zu “DenkMalNicht

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