Bisschen|Bissig

HolyShit

Vor 2 Jahren entschloss ich mich, e̶̶i̶̶n̶̶e̶̶ ̶̶G̶̶ö̶̶t̶̶t̶̶i̶̶n̶ ein guter Mensch zu werden und besuchte meinen ersten Gottesdienst. 2017 lief es suboptimal. Ich wusste vorher wirklich nichts von einem Dresscode und meine zerrissenen Jeans wurden recht abschätzig kommentiert. Das sei respektlos und dem Anlass nicht angemessen, Blablabla … Damit ging’s schon los. Dann – für mich viel schlimmer: Ich kannte die ganzen Songs nicht! Die Bänke waren unbequem und es wurde nicht sooo gerne gesehen, dass ich meine Beine hochlegte. Zwischenrufe und Widersprüche wie „Dieser ‚Herr‘ ist nicht mein Hirte!“ wurden nicht geduldet. Auch nicht mit der Erklärung: „Ich bin kein Schäfchen!“. Noch weniger Anklang fand, dass ich mich empörte, weil ich seinen Stecken und seinen Stab eher aufdringlich als tröstend empfand und dass ich nicht einsah, für das lächerlich winzige Unterteil eines Lebkuchens auf die Knie zu gehen. Außerdem wurde mir nicht gesagt, dass man nach Amen nur Amen zu murmeln und nicht Yeehaw zu rufen hat! Verflucht!

2018 gab ich mir etwas mehr Mühe. Es sollte ein Neustart werden für mich, den werten Herrn Priester und die Heilige Dreifaltigkeit. Was soll ich sagen … Die Kleiderordnung hatte ich diesmal berücksichtigt und trug gedeckte Farben wie alle. Aber Stöckel und Strapse wären jetzt auch eher deplatziert und ich müsste weiter an meiner Performance arbeiten, sagte Big Daddy mahnend. Also iiich fand’s schick.

Die Lesung „Die Apokalypse des Johannes“ fand ich tatsächlich sehr inspirierend: Feuer, Rauch und Schwefel aus den Mäulern abertausender Pferde und ein Tier mit zehn Hörnern und sieben Köpfen, das aus dem Meer steigt! Sehr geile Ideen! Beifall klatschen war dennoch nicht erwünscht und dieser Jo stand nicht mehr für eine Signierstunde zur Verfügung. Schade, eine persönliche Widmung wäre was ganz Besonderes gewesen. Meine Version der geheimen Offenbarung durfte ich zur Strafe dann auch nicht mehr vortragen. Dann wurde ich gerügt, weil ich das „Blasen in die sieben Posaunen“ völlig missverstanden hätte. Dann müssen sie sich halt mal deutlicher ausdrücken! Somit unterstützte der Priester mein Projekt „Kurzgeschichten aus dem Beichtstuhl“ offiziell nicht. Er stelle sich aber unverbindlich für Recherchearbeiten zur Verfügung, flüsterte er mir schelmisch ins Ohr.

Ansonsten war es dann noch ganz nett, bis auf die Situation, als mir so ein junger Kasper im Kleid Ärger machte. Er schimpfte sich Messdiener, war sich aber zu fein dazu, mir einen Aschenbecher zu bringen. Er war sehr empört, als ich ziemlich angepisst erwiderte: „Pffft! Dann nehme ich halt den großen Ascher“. Da schlug er mir die Kippe aus der Schnute und mir war vor Schreck mein mitgebrachter Jägermeister aus der Hand gefallen. Er fand dann auch nicht sooo lustig, als ich ihn beim Aufsammeln der Scherben auf den Arsch haute und „Whooo Whooo!“ rief. Selbst schuld, wenn er sich so aufreizend direkt vor meiner Nase bückt, das Luder! Für mich war das dieses „Zeichen“ gewesen, von dem der Priester vorher gesprochen hatte. Aber meine Sitznachbarin hat immerhin gekichert und mir einen Schluck aus ihrem Flachmann angeboten.

Dieses Jahr habe ich es dann wohl endgültig verkackt. Ich mach’s kurz: Dresscode: Diesmal in Sack und Asche (auf dem Haupt). Das war auch wieder nicht genehm. Die demütige Tour kaufen sie mir einfach nicht ab. Plötzlich waren sie dann wieder alle ganz angepisst, nur weil ich genervt „Na dann halt wie ‚der Herr‘ mich schuf!“ rief und mir den Sack vom Körper riss. Da musste ich gehen. Ich versteh’s einfach nicht. Zumindest hätten sie mich ja mal an den Pranger stellen können. Das wollten sie vermutlich nicht, weil ich ja jetzt nackt war und das wohl seltsam rübergekommen wäre. Aber für nächstes Jahr haben sie mich zum Ministranten-Bingo eingeladen. Na dann. Ich verzichte und bleibe ein schlechter Mensch. Halleluja.

#ThrowbackChristmas #whySoSerious

#OldTextNewSound #SameShitDifferentDay


 

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